Rund um das Val del Singol-Tal
»Riviera dei Limoni« nennt sich das Westufer des Gardasees, und Zitronen waren hier einst tatsächlich ein Wirtschaftsfaktor. Überall am Seeufer stehen noch die unverwechselbaren Gewächshäuser, die dem Schutz der kälteempfindlichen Früchte dienten, sie vor Frost bewahrten. Tempi passati. Längst werden keine Limonen mehr geerntet, die mächtigen »Serre dei limoni« sind verwaist, heute macht man sein Geschäft mit Touristen, da fließt entschieden mehr Geld in die Kasse. Geradezu beispielhaft ist das in Limone zu beobachten, das wie Malcèsine am Ostufer des Sees seine Seele verkauft hat, dafür unter den Besuchermassen und am Verkehrsaufkommen schier erstickt. Geblieben ist der Name, der einen sofort an die Zitrusfrucht denken lässt, sich in Wahrheit aber vom lateinischen Wort limes ableitet. Nur wenige Kilometer vom Ort verlief im Mittelalter die Nordgrenze von Venedig. Teilweise – immerhin – überlebt haben den Bauboom der letzten Jahrzehnte die Olivenhaine rund um den Ort, und jeden Frühling bezaubern Mandel- und Kirschbäume mit ihrer Blütenpracht. Schroff und steinig wie eh und je präsentiert sich die Kulisse des Fleckens, und das Val del Singol ist geblieben, was es schon immer war: eine Oase der Ruhe. Die wurde nur kurzzeitig gestört, im Ersten Weltkrieg, als Genietruppen anrückten und im Rücken der Front ein verzweigtes Wegnetz anlegten. Das ermöglicht heute wunderschöne Rundwanderungen in Sichtweite des Gardasee-Ufers, aber Lichtjahre weit weg vom Trubel drunten in Limone.
Ein breiter, gepflasterter Weg mit der Markierung 101 führt hinein ins Val del Singol. Mächtige Felsfluchten flankieren den Graben; im Talhintergrund zeigt sich bald der breit-massige Monte Carone (siehe Tour 14). Nach etwa 1 Std. quert man das meist ausgetrocknete Bachbett nach rechts, dann geht’s steil bergan ins Valle Salumi. Eine felsige Kanzel bietet sich als Rastplatz an; wenig weiter zweigt rechts der »Sentiero Antonioli« ab. Er zieht in vielen Kehren – zunächst noch angenehm schattig – über einen steilen Hang hinauf gegen die Cima di Mughera (1161 m; Abstecher, 5 Min.). Am Grat öffnet sich ein bezaubernder Tiefblick auf Limone und den Gardasee (Bank). Aus der Scharte im Rücken des kleinen Gipfels läuft der Weg hinüber zum Passo Guil (1209 m), wo man auf eine alte Militärstraße stößt (beliebter Bikertrail). Sie quert mit freier Sicht auf das Val del Singol und seine vielen Seitenäste unter den Abstürzen des Monte Carone (1621 m) – vorbei an der offenen Baita Segala (1250 m) –
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