Pfarrkirche hl. Margaretha
Die Kirche von Lieding, weithin sichtbar auf einem Hügel westlich von Straßburg gelegen, wurde 1043 erstmals urkundlich erwähnt, bereits 1131 zur Pfarre erhoben und schließlich 1330 dem Kollegiatskapitel von Straßburg inkorporiert. Vom ursprünglich romanischen Bau (um 1200) sind noch das Langhaus und das westliche Stufenportal erhalten. Der mächtige, quadratische Turm wurde in der ersten Hälfte des 14. Jhs. errichtet und ist im Süden an das Langhaus angestellt. Er ist 5-geschossig, besitzt im Glockenturm große Schallfenster und ist mit einem barocken Zwiebelturm mit Laterne gedeckt. Östlich des Turms schließt ein niedriger Sakristeibau an.
Man betritt die Kirche über das westliche, von einer geschlossenen barocken Vorhalle umgebene Stufenportal, welches aus einem eingestellten Säulenpaar, einem Rundbogen und Rundwulst besteht. Das Bogenrelief über dem Portal zeigt Engel, Mensch, Drache und Löwe und stellt wahrscheinlich eine Legende der hl. Margaretha von Antiochien dar: Die Heilige wird vom Drachen verschlungen, lediglich ihre Füße ragen noch aus dem Maul. Rechts vom Portal sind römerzeitliche Grabinschriften für das Ehepaar Attalus und Aeta angebracht. Links vom Portal steht ein Opfertisch mit zwei romanischen Kapitellfragmenten.
Das Langhaus ist 1-schiffig und 4-jochig. Es besitzt eine spätgotische Spitztonne mit Stichkappen sowie barocke Pilaster mit Kompositkapitellen. Die spätgotische Westempore ist 2-jochig und mit Spitzbogen und Kreuzgratgewölben auf Rundpfeilern unterwölbt und besitzt eine stuckierte Brüstung aus der Mitte des 18. Jhs.
Der Chor aus der 1. H. d. 14. Jhs. ist gegenüber dem Langhaus um fünf Stufen erhöht. Er ist 2-jochig, gleich breit wie das Schiff und besitzt einen 5/8-Schluss. Das Kreuzrippengewölbe schließt an reich profilierte Wandpfeiler an. Im Chorschluss und in der südlichen Langhauswand befinden sich 2-teilige, hohe Maßwerkfenster. Die Glasmalereien in den Fenstern stammen von 1340/1350 und zeigen in einem Zyklus von 28 Scheiben unter anderen folgende Motive: Lehrender Christus, Szenen aus dem Leben der hll. Katharina und Margaretha, den Gnadenstuhl, Apostel und verschiedene Heilige. Die Glasscheiben wurden 1343 von Ortolfus Rattensperger und seiner Gemahlin gestiftet.
Die Sakristei wurde im Barock an die Kirche angebaut. Sie ist 2-jochig mit Kreuzgratgewölbe und Gurtbogen. Die Einrichtung stammt aus dem späten 17. Jh. An
der Turmmauer in der Sakristei befinden sich noch Reste von Wandmalereien aus dem 14. Jh., die Legende von Johannes dem Täufer darstellend.
Die Einrichtung der Kirche stammt großteils aus dem späten 18. Jh. und wurde von Johann Georg Hittinger und dessen Werkstatt geschaffen und von Peter Marx gefasst. Der Hochaltar mit Opfergangsportalen von Hittinger (1771) ist ein Meisterwerk des Spätbarock, mit einer Mittelgruppe Madonna als Himmelskönigin im Strahlenkranz. Über dem Baldachin erscheint Gottvater, aus Wolken herabblickend. Weitere Statuen des Hochaltares sind zu Füßen Mariens die hll. Margaretha und Johannes Nepomuk sowie Jakobus und der Erzengel Raphael auf den Opfergangsbögen. Die übrigen Figuren des Altares (hll. Isidor, Notburga. Petrus, Paulus) wurden von anderer Hand geschaffen.
Die beiden Seitenaltäre von 1777 werden ebenfalls Hittinger zugeschrieben. Sie stehen schräg gestellt in den Langhausecken. Der Altar an der Nordseite hat ein Bild Anbetung des Kindes, von rokokohaften Ornamenten umrahmt und flankiert von den Statuen der hll. Katharina und Barbara. Das Altarblatt des südseitigen Altares stellt die Hostienanbetung mit schwebenden Engeln, die eine Monstranz zum Himmel tragen, dar. Als Seitenfiguren sieht man die hll. Franz Xaver und Ignatius von Loyola. An der Südseite des Chores hängt ein Reliefbild von 1670, das die heilige Hemma und ihren Gatten Wilhelm zeigt, wie sie ein Modell des Gurker Domes dem aus den Wolken herabblickenden Gottvater darbringen. Die in weiß-gold gehaltene Kanzel stammt ebenfalls von Hittinger. Ihren Korb zieren Statuen der vier Kirchenväter sowie Reliefs Taufe Christi, Sämann und Emmausszene. Seitlich finden sich Darstellungen von Hoffnung und Glaube und auf dem Schalldeckel ist eine plastische Gruppe Verklärung Christi mit Jüngern zu sehen. Der Taufstein wurde um 1770 von Hittinger barock umgestaltet. Den Deckel ziert eine Schnitzgruppe Taufe Christi, über welcher Gottvater und der Heilige Geist schweben.
An den Langhauswänden stehen auf Konsolen sieben lebensgroße, weiß gefasste Apostel-Figuren (Hittinger zugeschrieben, um 1780). An der Brüstung der Orgelempore befinden sich zwei Erzengel mit Flammenschwert und Posaune, ebenfalls von Hittinger. Von einer Orgel aus dem späten 18. Jh. ist nur noch das Gehäuse erhalten.
Unter dem Chor besitzt die Kirche eine 3-schiffige, 3-jochige Hallenkrypta mit 3/8 Schluss in der Größe des Chorraumes. Sie ist über zwei Treppen vom Langhaus aus erreichbar. Das Kreuzgratgewölbe ruht auf Rundpfeilern. Im Süden befindet sich ein Aufgang ins Freie.
An der südlichen Schiffaußenwand befinden sich Reste eines Christopherusfreskos und ein spätbarockes Holzkruzifix. An der nördlichen Chorschräge ist ein gut erhaltenes Fresko (um 1460) zu sehen, mit einer Darstellung der Muttergottes im Strahlenmantel zwischen den hll. Margaretha und Katharina. Links sind klein die beiden Stifter verewigt. Daneben ist ein Fresko aus dem 17. Jh., welches die Gottesmutter zeigt, wie sie dem heiligen Bernhard das Schulterkleid überreicht.
Bemerkenswert ist der Pfarrhof westlich der Kirche. Es handelt sich dabei um eine 3-geschossige im Kern spätgotisch Anlage. Über dem Rundbogenportal ist ein Wandfeld mit Wappen angebracht. Die Eingangshalle besitzt ein Gratgewölbe. Die Räume im ersten Stock sind mit Rokokostuckaturen geschmückt.
Zur Geschichte:
Römerzeitliche Funde, wie ein Meilenstein und Münzen, legen nahe, dass Lieding schon sehr früh besiedelt war. Der Ort wurde 975 erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Otto II. verlieh der Witwe Imma das Privileg, in Liubedinga, also in Lieding, einen Markt und eine Münzstätte zu errichten sowie Marktzoll zu erheben. Dieses Recht wurde auf ein in Gründung befindliches Kloster übertragen. Es ist nicht bekannt, ob die Gründung des Klosters und der zugehörigen Kirche hl. Maria abgeschlossen wurde oder schon vorher an der Eigenkirchenpolitik der Salzburger Erzbischöfe scheiterte. Der Standort des Klosters und der zugehörigen Kirche hl. Maria ist ungewiss. Möglicherweise gab es aber in Lieding sogar ein kontinuierliches Klosterleben bis zur so genannten Neugründung Hemmas in Gurk. Bei Grabungsarbeiten 1869 wurden Mauerreste gefunden, die als vom Klosterbau stammend, gedeutet wurden. 1043 wurde von Hemma von Gurk, der Enkelin Immas, die Kirche am heutigen Standort gegründet. 1131 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Nach einem Brand um 1200 blieb vom ursprünglichen Bau nur das Portal erhalten. Unter Bischof Gerold (1326-1333) wurde Lieding dem Kollegiatskapitel Straßburg unterstellt, die Pröpste von Straßburg waren über lange Zeit auch Inhaber der reichen Pfarre Lieding. Im späten 15. Jh., zur Zeit der Türkeneinfälle, wurden in Lieding die Kirche, Karner, Pfarrhof undWirtschaftsgebäude zu einer Verteidigungsanlage ausgebaut. Die Mauern sind nicht mehr erhalten, jedoch zeugen die eisenbeschlagenen Türen des Pfarrhofs noch von der einstigen Funktion.
Literaturnachweis:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, S. 460 ff.
Siegfried Hartwagner: Pfarrkirche St. Margareta in Lieding (=Christliche Kunststätten Österreichs Band 470). Verlag St. Peter, Salzburg 2007
Kirchenöffnungszeiten:
Die Kirche ist versperrt. Der Schlüssel ist im Bauernhaus neben der Kirche bei Fam. Johann Lassenberger erhältlich.
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Pfarrkirche Lieding
9341 Straßburg
http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/pfarre/C3030/ E-mail: strassburg@kath-pfarre-kaernten.at
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