Vacha, die älteste Stadt Südthüringens, ist ein Geheimtipp für den historisch interessierten Besucher. Die Ansiedelung ist eng verbunden mit der alten Fernhandelsstraße Via Regia von Frankfurt am Main durchs Werratal nach Leipzig. Ihr Verlauf spiegelt sich im heutigen Hauptstraßenverlauf durch den Ort von Süd nach Nord mit der Frankfurter Straße - Steinweg - Markt - Untertor - Werrabrücke (als wichtiger Flussübergang).
Vacha entwickelte sich aus dem Kern um Stadtkirche und Kemenate. Die erste Erwähnung wurde für die Jahre 814-817 angenommen, als das Kloster Fulda die Meiereien Vachhe (Vacha), Geisaha (Geisa) und Spanelo (Spahl) im Gebietsaustausch gegen Ibstadt am Rhein von Kaiser Ludwig dem Frommen erwarb. Die Urkunde könnte aber auch eine spätere Fälschung sein, um Fuldaische Herrschaftsinteressen gegen die Abtei Hersfeld durchsetzen zu können. Eine weitere Erwähnung stammt aus den Jahren zwischen 1155 und 1165 in einem Abgabenverzeichnis an das Kloster Fulda. 1186 wurde Vacha anlässlich einer Fürstenversammlung als fuldaische Stadt mit Brücke erwähnt und ist damit einer der ersten Orte in Thüringen, der Stadtrechte erhielt. Für das 12. Jahrhundert lassen sich bereits wichtige Handwerker am Marktplatz nachweisen: Lohgerber, Schuhmacher, Schmiede und Töpfer. Am wichtigsten war aber das Tuchgewerbe, welches im 13.-14. Jahrhundert die erste Handwerkszunft bildete. Vacha hat sehr alte erhaltene Bauwerke vorzuweisen. Teile von Kirche, Burg, Stadtmauer, Münze und Kemenate stammen noch aus dem 12. Jahrhundert, als Stadtmauer und Burg Wendelstein zur Kontrolle der Werrabrücke gebaut wurden. Zu den ältesten Bauwerken der Stadt gehört die auf einem Berg südlich der Stadt erbaute Annenkapelle, die bis zur Reformation ein Wallfahrtsort war. Um 1150 wurde die Stadt bis zur Burg erweitert und die Befestigung ausgebaut. Die Stadtpfarrei St. Vitus wurde 1172 mit dem Pfarrer Berthold erwähnt. An Stelle der 1820 abgebrochenen alten Stadtkirche wurde 1821-24 die neue evangelische Johanneskirche erbaut. Nur der aus romanisch-gotischer Zeit stammende Turm blieb erhalten.
Das älteste Stadtsiegel Vachas stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist 1303 als Abdruck überliefert. Ratsherren (consules) und Schöffen (scabini) wurden 1307, Bürgermeister 1362 erstmals bezeugt. Das erste Rathaus wurde 1429 erwähnt. Wegen des Marktbetriebes entstanden am Vachaer Marktplatz auch Wirtshäuser, Verkaufsläden und 1455 eine Münzstätte der Fuldaer Äbte. Ein Wahrzeichen Vachas, den Storchensturm, errichtet man im 15. Jahrhundert. Am Markt ist ein relativ geschlossenes Ensemble von Fachwerkhäusern vor allem aus dem 15. - 17. Jahrhundert erhalten, die ältesten Beispiele im Wartburgkreis. Um 1400 wurde ein Servitenkloster (toskanischer katholischer Orden) und Wirtschaftshof in der Vorstadt beim Obertor gegründet. 1406 wurden 2/3 von Stadt und Amt Vacha an die hessischen Landgrafen verpfändet. Ein Stadtbrand vernichtete 1467 fast die ganze Stadt einschließlich des Klosters, es dauerte mehrere Jahrzehnte, um die Schäden zu beseitigen. Vom Kloster ist nur noch der Chor erhalten, die jetzige Klosterkirche, in der man spätgotische Wandfresken aus dem Jahr 1472 sehen kann.
Vacha zählt zu den Städten, in denen die Reformation ihren Anfang nahm. Erste lutherische Predigten wurden ab 1522 von Georg Witzel gehalten. Zur selben Zeit wurde Vacha zum Sammelpunkt eines etwa 8000 Mann starken Werrahaufens, den der Vachaer Hans Sippel anführte. Die Stadt Vacha wurde von den Bauern um Unterstützung bedrängt, man stellte den Bauern zwei Hauptleute und 20 Söldner der Stadtwache sowie Waffen und Munition zur Verfügung. Nach der Plünderung des Klosters zog der Werrahaufen nach Eisenach, um sich zu verstärken. Das wurde aber abgelehnt und die Anführer hingerichtet. Der Bauernhaufen zog weiter und wurde mit Thomas Müntzer bei Frankenhausen vernichtend geschlagen. Danach wurden die Klöster aber durch die Reformation aufgehoben und deren Besitz zu Gunsten der Grafschaft Hessen beschlagnahmt.
Das heutige Rathaus der Stadt Vacha entstand 1614 als repräsentatives Stadtpalais des hessischen Amtmannes Caspar von Widmarckt, Spross einer Leipziger Patrizierfamilie, der als Wohltäter der Stadt mehrere Repräsentationsbauten in Vacha errichten ließ, u.a. auch den Vitusbrunnen. Im 30jährigen Krieg wurde die durch die Werrabrücke strategisch bedeutsame Stadt wechselnd eingenommen, wurde schließlich von der hessischen Landgrafschaft besetzt und später der fuldaische Anteil an sie verkauft.
Anfang des 19. Jh. hinter brachten die Napoleonischen Kriege Zerstörung und Tod, 266 Einwohner starben an Typhus. Nach Missernte und Werrahochwasser 1816/17 fiel der Wiederaufbau schwer. 1824 wurde der Aufbau klassizistische Kirchenschiffs der Stadtkirche abgeschlossen, die nach dem Erbprinzen Carl Alexander August Johann nun Johanniskirche genannt wurde. 1868 wurde eine neue Schule errichtet. 1878 zerstörte ein Brand (durch Brandstiftung) 60 Wohnhäuser und über 140 Scheunen und Nebengebäude der Oberstadt. Dieser östliche Teil der Stadt wurde eingeebnet und neu geplant, die Stadtmauer wurde abgerissen, breitere Straßen und ein Bahnhof der Feldabahn entstanden. Mit dem Kalibergbau der Region war ein wirtschftlicher Aufschwung verbunden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam auch das thüringische Vacha zur russischen Besatzungszone. In den 1960er Jahren wurde die DDR-Grenze geschlossen und Vacha, unmittelbar im Grenzgebiet 1 km von Hessen entfernt, wurde isoliert. Nach der Wende wurde die einst streng bewachte Werrabrücke im Grenzgebiet denkmalpflegerisch saniert und als Brücke der Einheit für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben. In der Burg ist heute das Stadtmuseum mit einer der größten Puppensammlungen Thüringens untergebracht.
(Quelle: www.vacha.de und Wikipedia)
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