Stadt Ehingen (Donau)
Die ersten Anfänge der Liebfrauenkirche sollen bis in das Jahr 1239 zurückreichen, als ein Graf Ulrich von Berg an dieser Stelle eine Kapelle errichten ließ. Wie die an der Westseite des Turmes angebrachte Inschrift berichtet, wurde am 1. März 1454 mit der Errichtung des gotischen Neubaus mit einem Haupt- und zwei Seitenschiffen begonnen. Das Gnadenbild war damals innerhalb eines Gitters im Chor aufgestellt.
Nachdem die Franziskaner 1630 auf starken Druck der habsburgischen Landesherrschaft nach Ehingen gekommen waren, erhielten sie 1638 die Liebfrauenkirche und die Betreuung der dorthin bestehenden Wallfahrt übertragen. Bald bemühten sie sich ihrer Kirche ein zeitgemäßes Aussehen zu geben. 1654 wurde der Turm um 5 m erhöht und erhielt statt des gotischen Turmhelms eine barocke Kuppel. Auch wurden mehrere neue Altäre zu Ehren verschiedener Ordensheiliger aufgestellt.
Eine grundlegende Modernisierung erfolgte aber erst in den Jahren 1723 bis 1725. Damals wurde die Kirche in zeitgemäßen barocken Formen grundlegend umgebaut. Unter Beachtung des für den Franziskanerorden charakteristischen Armutsideals, verwendete man für die Innenausstattung statt prächtigen Marmors und Stücke verschiedene Holzarten für Intarsien. Vorteilhaft war, dass man hierbei auf Ordensmitglieder zurückgreifen konnte, die als Meister ihres Faches anzusehen sind. Daneben finden sich aber auch Werke von Künstlern aus der Umgebung, wie des Ehinger Malers Martin Weller (1677-1736) oder des seinerzeit wohl in Dietenheim ansässigen Bildschnitzers Dominikus Hermenegild Herberger (1694-1760). Selbstverständlich sorgten die Patres dafür, dass ihr Orden und seine bekannten Vertreter bei der Bild- und Motivauswahl nicht zu kurz kamen. Im Mittelpunkt blieb freilich das alte steinerne Gnadenbild, Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, welches wohl in einer Ulmer Werkstatt Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden ist.
Die Wallfahrt zum Gnadenbild in der Ehinger Liebfrauenkirche hatte für das ganze 18.Jahrhundert zumindest regionale Bedeutung, wozu auch Andachtsbildchen und kleinere Druckschriften beitrugen. Das endgültige Ende kam spätestens mit der Säkularisation zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Aufhebung des benachbarten Klosters wurde die ehemalige Franziskanerkirche zweite Stadtpfarrkirche.
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