Der Wildgrat verfehlt zwar knapp die 3000-Meter-Marke, doch das stört wahrscheinlich nur Zahlenfetischisten. Im nördlichen Geigenkamm lässt er seine Umgebung unter sich und glänzt daher mit einer fantastischen Fernschau, welche die Nördlichen Kalkalpen ebenso einbezieht wie die vergletscherten Gefilde im Süden. Und der Name kommt nicht von ungefähr, denn der Wildgrat formiert ein schroffes Felskastell in schon ziemlich strenger Umgebung. Gleichwohl handelt es sich um einen der seltenen Berge mit Weg am Geigenkamm – genau genommen sogar mit zwei Wegen, denn auch ötztalseitig kommt über die Erlanger Hütte eine Route herauf. Unsere Tour wird durch die Hochzeigerbahn begünstigt, wobei man bereits nach wenigen Minuten den Hochzeiger überschreitet.
In zwei Sektionen gelangen wir von Liss aus bis zur Bergstation der Hochzeiger-Sesselbahn. Unterhalb des Gipfels leicht rechts ausholend und von Westen rasch zum Kreuz auf dem Hochzeiger, 2560 m. Wir überschreiten diesen ostwärts und kommen knapp unterhalb des schroffen Gratrückens in der steilen, grasdurchsetzten Flanke über dem Riegetal voran. Die folgende Abwärtstraverse ist also durchaus etwas ausgesetzt. Auf rund 2370 m stößt man auf den tiefer verlaufenden Steig durchs Riegetal und steuert als nächstes über eine Karschwelle den Großsee, 2416 m, an. Wir wandern nun geradewegs in das Blockkar hinein, ignorieren den Rechtsabzweig zum Hohen Gemeindekopf (Verbindung zur Ludwigsburger Hütte) und überwinden eine weitere Geländeschwelle. Am Ansatz der steileren Felsflanken zieht die Route deutlich nach links empor und gewinnt eine Scharte im Westgrat, ca. 2840 m, mit dem Abzweig des Hans-Raggl-Steiges. Schließlich das letzte Stück unter gelegentlicher Zuhilfenahme der Hände durch steiles
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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