Den Säntis muss man im Grunde nicht groß anpreisen. Kaum ein Berg im Schweizer Nordosten ist populärer, allgegenwärtiger und sieht mehr Menschen auf seinem Gipfel … Dabei kommen die meisten, aber längst nicht alle bequem mit der Luftseilbahn von der Schwägalp herauf. Die Routen am Säntis sind Legion und sie sind meist auch bergsteigerisch sehr interessant, zumal landschaftlich großartig. Dabei richten wir hier das Augenmerk naturgemäß auf den Toggenburger Zugang, wo sich beim Ausgangspunkt Laui schon ein wunderbares Hochtal offenbart. Im Hintergrund der Säntis mit seinem unverwechselbaren Antennenstachel wie eine Verheißung! Nachdem wir binnen drei Stunden den Rotsteinpass erreicht haben, steht mit dem dort ansetzenden Lisengrat das Filetstück der Tour bevor. Der Felsensteig wurde schon vor über 100 Jahren ausgebaut. Buchstäblicher Höhepunkt ist natürlich die Rundschau vom Gipfel, der allerdings längst nicht mehr aus natürlichem Fels besteht, sondern aus Beton. Sei’s drum – das haben wir vorher gewusst. Immerhin lässt man ja beim Abstieg den Trubel Schritt für Schritt zurück und taucht wieder in die Ursprünglichkeit ein. Die durchaus raue Route via Tierwis hält dabei noch manche überraschende Impression bereit. Fazit: eine große Tour an einem Berg, der alpines Wahrzeichen einer ganzen Region ist, und gewiss ein Highlight in diesem Guide …
Vom Parkplatz Laui, 1072 m, auf dem asphaltierten Alpsträßchen Richtung Alpli und allmählich ansteigend in den Talschluss, wo man sich bei P. 1201 kurz vor Thurwis rechts hält. Nächster Etappenpunkt ist Langenbüel, 1472 m, mit der Wegverzweigung unserer beiden Routen. Wir gehen in dem Geländeeinschnitt weiter und vollziehen eine ganze Reihe von Kehren hinauf zum Flis-Schafboden, 1729 m. An der Karschwelle steht ein einfaches Gasthaus. Am Hang zur Linken zweigt bei P. 1864 eine mögliche Direktroute zum Chalbersäntis ab (steil und vor Ort mit unrealistisch knapper Zeitangabe). Ohnehin lohnt es sich vielmehr, den Lisengrat zur Gänze vom Rotsteinpass zu begehen. Damit bleiben wir am Hauptweg und folgen diesem auf nun schuttreichem Untergrund über die nächste Geländestufe hinauf zum Rotsteinpass, 2119 m, der auch sehr häufig von der Appenzeller Nordseite erwandert wird. Der Lisengrat beginnt zwar mit einem harmlosen Steig, weist aber bald schon erste gesicherte Traversen auf und wird zum P.
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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