Nimmt man die Gesamtheit der Anforderungen zusammen, so gebührt dem Mainzer Höhenweg wohl der Spitzenplatz in unserer Tourenauswahl. Der Verlauf dieser Gratroute erscheint kühn und verwegen; objektiv betrachtet hat die Unternehmung auch viel mehr mit einer kombinierten Hochtour als mit gewöhnlichem Bergwandern gemein. Schon beim Warmlaufprogramm hinauf zum Weißmaurachjoch wird in steilem Bröselgelände eine kleine Kostprobe gegeben. Anschließend beginnt der Ernst des Mainzer Höhenweges, der dem Puitkogel auf teilweise kniffligen Traversen ausweichen muss und sich erst vor dem Wassertalkogel wieder der Gratlinie anschmiegt. Dort oben, am Zenit der Route, steht das futuristisch anmutende Rheinland-Pfalz-Biwak, gleichsam als ob ein Ufo auf dem Gipfel gelandet wäre: ein traumhafter Fleck für das Erleben stimmungsvoller Sonnenuntergänge und -aufgänge. Wer die gesamte Strecke bis zur Braunschweiger Hütte in einem Zug absolvieren möchte, sollte sich seines Leistungsvermögens für einen hochalpinen Gewaltmarsch sicher sein. Man bewegt sich nun überwiegend in Kammnähe um und über der 3000-Meter-Marke, obgleich meist nicht mehr ganz so prekär wie im ersten Abschnitt. Summa summarum eine Herausforderung für gestandene Bergfexe und eine der spannendsten Höhenrouten alpenweit!
Von der Rüsselsheimer Hütte kareinwärts zur ersten Verzweigung und dort rechts. Wir ersteigen einen Moränenhang zur Schwelle des Weißmaurachkars, hinter der sich ein Schmelzwassersee verbirgt. Auf der linken Seite vorübergehend flacher weiter, bevor die erdige Blockschutthalde gegen das Weißmaurachjoch, 2953 m, kräftig aufsteilt. Mühsam und teils mit Kettenhilfe arbeiten wir uns bis in den Sattel empor. Dort rechts am Blockrücken des Puitkogels noch ein Stück aufwärts, bis die Markierung zu einer Traverse ansetzt. Richtpunkt ist eine Signalstange an einer ausgeprägten Rippe. Gleich dahinter geht es mit Kettensicherung an einer Plattenwand schräg abwärts – die erste Schlüsselstelle. Im kleinen Karkessel des Nördlichen Puitkogelferners überwiegt mittlerweile Blockschutt bei nur noch wenig Firn oder Resteis. Gegenüber ersteigen wir wiederum gesichert recht kompakte Felsen hinauf zu einer Geländeverebnung. Doch die nächste Hürde ist nicht weit: Man steigt in eine grimmige Rinne ein und
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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