Der Hochobir erfreut seine zahlreichen Besucher mit einer umfassenden Aussicht, am schönsten ist der Blick zu den Gipfeln der Steiner Alpen rund um den Grintovec und zur langen Felsmauer der Koschuta. Richtig berühmt ist der Hochobir aber aus einem anderen Grund: Unser Berg blieb in der letzten Eiszeit gletscherfrei und so konnten auf seinen Hängen Pflanzen überleben, die wir sonst gar nicht oder nur sehr selten finden – für Botaniker ein wahres Eldorado. Aber auch der einfache Blumenliebhaber kommt im Frühsommer, wie selten an einem Berg, auf seine Kosten. Denn dann überziehen sich die Gipfelwiesen mit einem so dicht gesteckten, bunten Blütenteppich, dass man den Boden fast nicht mehr sehen kann. Zwischen den alpinen Polsterpflanzen wachsen kleine Orchideen wie das seltene Steiner-Alpen-Kohlröserl, die Weiße Höswurz oder verschiedene Knabenkrautarten, darunter auch eine schneeweißblühende Unterart. Zahlreichen Besuch erhält der Hochobir von der Eisenkappler Hütte, bis dorthin kann man mit dem PKW auffahren. Die Hütte steht auf einem herrlichen Aussichtsbalkon vis-à-vis von den Steiner Alpen. Früher gab es knapp unterhalb des Gipfels noch das Rainer-Schutzhaus; von dem 1944 abgebrannten Gebäude sehen wir nur noch die Ruine. Ursprünglich wurde es als Knappenschutzhaus gebaut, denn der Hochobir ist ein altes Bergbaugebiet – jahrhundertelang wurde dort Bleierz geschürft. Um dem Ansturm auf diesen beliebten Berg etwas zu entgehen, beginnen wir unsere Rundtour am Schaidasattel und wandern auf dem einsamen Simon-Rieger-Steig gipfelwärts.
Am Schaidasattel heißt es zunächst den herrlichen Blick auf die Felsmauer der Koschuta zu bewundern, bevor wir uns dem Simon-Rieger-Steig zuwenden. Dieser beginnt steil, anfangs parallel zu einer Forststraße, deren Kehren wir abkürzen. Dann geht es ziemlich direkt durch den Wald bergauf zu einem Absatz mit Kreuz, 1670 m. Nun wird der Weg bequemer und verläuft in ansteigender Querung durch die Südostflanke des Kuhbergs. Allmählich lichtet sich der Wald und wir gelangen zu den Obirwiesen. Während der Blütezeit wird es nun zunehmend bunter, anfangs säumen Vergissmeinnicht, Trollblumen und Kohlröserl unseren Weg, weiter oben finden wir dann Enzian, Silberwurz, Stengelloses Leimkraut und Gelben Alpenmohn, und über allem liegt der süße Duft der Steinröserl. Es ist eine schöne und gemütliche Wanderung bis zum kreuzgeschmückten Hochobir-Gipfel, wo wir von einer Schar hungriger Dohlen schon erwartet werden. Im Abstieg folgen wir dem breiten Schotterweg über das lang gezogene Gipfeldach, an der
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Autor
Evamarie Wecker
Evamaria Wecker ist seit ihrer Kindheit in den Bergen unterwegs. Zusammen mit ihrem Mann Primus Wecker hat sie ihre Leidenschaft für Wanderungen und Hochtouren in den Alpen entdeckt. Was zunächst nur Urlaubsvergnügen war, hat sich vor einigen Jahren zum Hauptberuf entwickelt. Evamaria Wecker ist als aktive Fachübungsleiterin Bergsteigen beim Deutschen Alpenverein viel mit Gruppen auf Tour. Als Autorin hat sie mehrere Buchtitel im Bergverlag Rother und Texte für alpine Fachzeitschriften verfasst, zu denen Primus Wecker als begeisterter Fotograf jeweils die Bilder beigesteuert hat.

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