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Dorfkirche Hausach

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  • Die Dorfkirche ist das älteste Gebäude Hausachs aus dem 11. Jahrhundert
    Die Dorfkirche ist das älteste Gebäude Hausachs aus dem 11. Jahrhundert
Die Hausacher Dorfkirche ist das älteste Bauwerk der Stadt.

Die Dorfkirche hat vor mehr als 100 Jahren als Pfarrkirche ausgedient. Und zwar als die Stadtpfarrkirche St. Mauritius 1894 fertig gestellt wurde. Sie übernahm die Funktion einer Friedhofskirche und dient wegen ihrer hervorragenden Akustik auch als Konzertraum.

Fest steht, dass ein Vertreter der ersten Generation der Herren von Wolva (Wolfach) gegen Ende des 11. Jahrhunderts das erste steinerne Gotteshaus stiftete, wovon das romanische Tympanon über dem Segenstürlein erhalten geblieben ist. "Als Jesus nun seine Mutter  und den Jünger dastehen sah....." - nach diesem Bibelzitat zeigt sich das Tympanon der Hausacher Dorfkirche. Es ist ein echtes Karfreitagsmotiv. Geschichtlich wie kunstgeschichtlich gehört die Dorfkirche in Hausach zu den bedeutendsten Monumenten des Kinzigtals. 1148 erstmals genannt, bestand sie schon, bevor die Stadt gegründet wurde. Die "ecclisia Husen", wie sie damals hieß, war die Pfarrkirche für die umliegenden Höfe, die später die Gemeinde Einbach bildeten. Von ihnen werden Güter im Sulzbach, Adlersbach und Einbach bereits 1091/92 erwähnt. Dies beweist eine Besiedlung im elften Jahrhundert, in dem auch die Dorfkirche entstand, als eines der ältesten des Kinzigtals.

Das Relief über dem Segenstürlein zeigt Christus am Kreuz, zu seiner Rechten Mutter Maria, zu seiner Linken der Lieblingsjünger Johannes. Mandelförmige Augen betonen ihrer Gesichter, die jedoch starr und in sich gekehrt sind: Für Christus den Tod ankündigend, für Maria und Johannes den darüber empfundenen Schmerz. Sie hat denn auch ihr Haupt mit einem Schleier bedeckt, ihr rechter Arm stützt den linken, dessen Hand wiederum ihre Wange hält - eine mitfühlende Geste echter Trauer. Auch Johannes hat eine Hand erhoben, auf Christus zeigend, so sein Entsetzen ausdrückend.

Die auf den ersten Blick schlicht wirkenden Figuren gewinnen bei näherer Betrachtung an Ausdruck und Emotionen, die aber sehr zurückgenommen sind. Dies entspricht der Kunst der Romantik, und dass das Tympanon ihr zugehört, zeigen auch die Architekturelemente in den Zwickeln: rundbogige Arkaden auf Pfeilern und Säulen, wie sie an Kirchen und Burgen des 11. - 13. Jahrhunderts zu finden sind. Sie hatte der Bildhauer vor Augen, wie auch die Szene vom Tod Christi, die er nach Johannes 19, Vers 26-27 gestaltete: "Als Jesus nun seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sagte er zu der Mutter: Frau, das ist dein Sohn. Sodann sagte er zu dem Jünger: Das ist deine Mutter."

Wer der Künstler war, muss unbekannt bleiben: Werke zu signieren, war damals nicht üblich, man arbeitete zur Ehre Gottes, vor der der Einzelne zurücktrat. Doch kann, nachdem die Freiburger Kunsthistorikerin Ulrike Kalbaum das Werk auf "um 1170/80" datiert hat, sein Umfeld genauer bestimmt werden. Damals befand sich "Einbach mit der Kirche Husen", so ein Beleg von 1179, im Besitz des Klosters St. Georgen auf dem Schwarzwald, aufgrund von Schenkungen, die die Adeligen von Wolfach, die ursprünglichen Eigentümer, getätigt hatten. Damit stünde das Tympanon in einem klösterlichen Zusammenhang und wäre als Schmuck für die zu St. Georgen gehörende Kirche entstanden. Doch könnte das Werk auch mit einem besonderen Schicksal verknüpft sein. Seit etwa 1184/85 lebte hier ein hoher kirchlicher Würdenträger, Abt Konrad, der Vorsteher des Klosters Tennenbach im Breisgau. Er geriet in schwere innere Konflikte, wurde verbannt und fand Asyl in "Hausen im Kinzigtal", für lange 18 Jahre. Sie waren für ihn eine Zeit der Trauer und Demütigung, vielleicht der Anlass, in der Kreuzigung Christi Halt und Anlehnung zu suchen. So lässt sich das Bildwerk auch mit ihm verbinden, dem es während der Verbannung Trost und Glauben gab.

Einige freigelegte Überreste bezeugen auch, dass das Innere mit Fresken ausgeschmückt war, wobei dem Jüngsten Gericht an der Westwand hinter der Orgel eine besondere Bedeutung als Einmaligkeit in der Region zukommt: Bei der Darstellung des Jüngsten Gerichts werden die Verdammten in den höllischen Rachen eines Riesenfisches gestoßen. Drohend schwebt mit seinem Schwert ein Engel über den "Verdammten", denen in der Hausacher Dorfkirche der rechte Teil des "Jüngsten Gericht"-Freskos gewidmet ist. Vor allem dieser Teil der biblischen Darstellung nach den Offenbarungen des Johannes machen das Gotteshaus unter Kennern zum beliebten Ausflugsziel. Denn gemäß dem apokalyptischen Thema treibt direkt unter dem Schreckensengel der erste Teufel acht fahle Gestalten auf der Abbildung vor sich her. Ein ebensolcher Bösewicht zieht einen der Unglücklichen am Haar.

Vor einem überdimensionalen, aufgesperrten Fisch-Rachen erwartet diese "Verdammten" ein großer Teufel. Sein Blick geht ihnen entgegen. Neben ihm hält ein ebenso Gehörnter den höllischen Rachen mit einem Pflock oder einer Säule für sie geöffnet. Den zuvor gekommenen Sündern scheint ein kleinerer Teufel im Maul des riesigen Fisches den letzten Stoß hinab in den Höllenschlund zu geben. "Dort, wo heute das Rundfenster ist, war vermutlich eine Darstellung von Gottvater oder Christus als Richter", so Klaus Lehmann. Der Hausacher zeigt regelmäßig Gruppen die Dorfkirche, seine Heimatstadt und hat sich auch über die Gemeindegrenzen hinaus auf Führungen durch Sakralbauten in Baden-Württemberg spezialisiert. Zu viel Interpretation zum Fresko des "Jüngsten Gerichts" lehnt er allerdings ab. Zu wenig erforscht sei die Abbildung.

Leider sind auch die Fresken der "Gerechten", die links des heutigen Rundfensters die Westwand zieren, fast zur Hälfte nicht mehr erhalten. Wohl ein großer Engel mit einer gut sichtbaren, langen Posaune steht im Zentrum dieser Darstellung. Unter seinem Posaunenruf knien die Seeligen. Sie und der Engel sind Gottvater beziehungsweise ihrem Richter zugewandt. Die weiter links befindlichen Teile dieses "Gerechten"-Freskos sind stark beschädigt.

Dennoch ist diese Darstellung des "Jüngsten Gerichts" in der Dorfkirche bemerkenswert. Einst soll der gesamte Innenraum des katholischen Gotteshauses  mit solchen Wandmalereien dekoriert gewesen sein. Und das wohl in drei übereinander angeordneten Bändern, die von ornamental gestalteten Streifen getrennt wurden. Unten soll die Kirche die Scheinmalerei eines Vorhangs geschmückt haben. Das zumindest legen die noch erhaltenen Fresken nahe.

Wie das "Jüngste Gericht" sind in den Farben Ocker, Gelb, Weiß und Schwarz nur noch wenige, weitere Malereien erhalten: Im Band unter dem Fresko der "Gerechten" scheint eine Gestalt, die dem Tod gleicht, nach rechts zu schreiten. Unter dem Fresko der "Verdammten" zieren mehrere Figuren das Feld: links steht eine gekrönte weiblliche Gestalt, in der Mitte soll die seltene Darstellung des "Feiertagschristus" zu sehen sein, rechts flankiert von einer ebenfalls gekrönten weiblichen Gestalt. An der Nordwand, zur Rechten dieses Blickfelds, erkennt man in einem kleineren Fresko Adam und Eva, die Früchte vom Baum der Erkenntnis pflücken. Ach Szenen der Schöpfungsgeschichte, wie die Erschaffung der Tiere sind in weiteren Fresken der Nordwand erhalten.

All diese Darstellungen weisen darauf hin, dass das Bildprogramm in der Hausacher Dorfkirche einst die ganze biblische Heilsgeschichte zeigte: Angefangen von der Schöpfungsgeschichte, über den Sündenfall und das Alte Testament bis hin zum Neuen Testament, der Kindheit Jesu, der Passion, seiner Himmelfahrt und endend mit dem "Jüngsten Gericht", der Wiederkunft des Herrn.

Wann jedoch die Kirche mit den Fresken ausgestattet wurde und wer diese gefertigt hat, darüber gibt es keine gesicherten Quellen. Um das Jahr 1500 vermutet man die Ausmalung. Die Arbeiten werden von manchen Martin Schongauer beziehungsweise seiner Werkstatt zugesprochen. Der Maler und Kupferstecher hat zwischen 1450 und 1491 das Breisacher Münster mit einer Darstellung des "Jüngsten Gerichts" dekoriert.

Dass die romanische Kirche gleichzeitig als Wehrkirche diente, darauf könnten die hohen Fenster und die recht enge, zunächst einzige Seitentüre hinweisen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfuhr unter dem Einfluss der überschäumenden Gotik die Dorfkirche eine grundlegende Veränderung. Der spätgotische Chor mit seinem kunstvollen Netzgewölbe gibt ein beredtes Zeugnis davon ab. Zu dieser Zeit beginnt auch die Funktion des Gotteshauses  als Bergmannskirche für die allein im Hauserbach arbeitenden 300 Bergleute. 1905 schreibt der Maler Schilling: "Einen rotbraunen Aufsatz, beziehungsweise ganze Ummalung eines Sakramentshäuschens mit Figuren habe ich in der alten Kirche in Hausach aufgedeckt und seinerzeit etwas ergänzt." In seinen Ergänzungen ist Schilling allerdings recht weit gegangen, denn Restaurator Bauernfeind stellte 1969 im Innenraum der Kirche fest, dass von den Figuren - Christus und zwei Engel - im Original nur Farbspuren vorhanden gewesen seien.

Im Rahmen dieser großen Restaurierung der Dorfkirche tauchten auch einige rätselhafte Funde auf. "Etwa in der Mitte, nahe des gotischen Torbogens, wurde ein sog. Steinkastengrab mit den Resten eines menschlichen Skeletts entdeckt", schreibt Kurt Klein.Noch viele weitere Skelette, die vor dem Steinsarg und über die ganze Breite des Kirchenschiffs begraben waren, wurden gefunden.

Ob es sich bei dem Skelett im Steinkastengrab um die Grablege des Stifters, dessen Nachkommen oder eines Geistlichen handelte, dafür gibt es mangels Beigaben keinerlei Hinweise. Kalkreste an einigen der übrigen Skelette weisen jedoch darauf hin, dass unter den Toten vielleicht Pestopfer gewesen sein könnten. Der höllischen Krankheit dürften sie mit ihrem Tod in der Dorfkirche entkommen sein.

Auch das Zeitalter des Barock hielt in der Dorfkirche Einzug, als man 1738 die beiden Seitenaltäre aufstellte und die Empore einzog. Der Rosenkranzaltar auf der linken Seite zeigt die Gottesmutter, den Heiligen Dominikus und Katharina von Siena, umrankt von den 15 Rosenkranzgeheimnissen. Im Zentrum des rechten Seitenaltars steht Mutter Anna, die Schutzpatronin der Schwarzälder Silberbergleute.

Zwischen den hinteren Reihen der Kirchenbänke lässt sich tagsüber ein Blick auf die bemerkenswerten Wandmalerein erhaschen. Manchmal ist sogar die Tür am Ende der zwei Außentreppen offen, über die die Empore erreichbar ist. Von hier aus eröffnet sich dem Betrachter dann der Blick direkt in den hollischen Fisch-Rachen.

Die Dorfkirche ist eine Schatztruhe sakraler Kunst  und das älteste Gebäude der Stadt.

Führungen auf Anfrage unter Tel. 07831-7975

Öffnungszeiten

Heute geöffnet
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Dienstag00:00–24:00 Uhr
Mittwoch00:00–24:00 Uhr
Donnerstag00:00–24:00 Uhr
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Samstag00:00–24:00 Uhr
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Dorfkirche Hausach

Koordinaten

DD
48.281279, 8.155653
GMS
48°16'52.6"N 8°09'20.4"E
UTM
32U 437358 5347908
w3w 
///bahnbrechenden.nachmittags.schwamm
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