Schnals
Vernagt Stausee - eine Aue versinkt
Wer heute im Spätsommer am Ufer des Sees steht und auf das smaragdgrüne Wasser des vollen Sees blickt, in dem sich die Bergspitzen spiegeln, ist beeindruckt von dieser Idylle. Aber der See ist ein Stausee und sein Bau hat viele Veränderungen in das Tal gebracht. Das Wasser hat vor etwa 50 Jahren einen der landschaftlich schönsten Plätze des Schnalstales überflutet und eine Fläche vernichtet, die für die Landwirtschaft von großer Bedeutung war. Nachdem man von Unser Frau aus eine Steilstufe überwunden hatte, weitete sich das Schnalstal zur „schönsten und ebensten Fläche des Tales“ – „zum Spechtenhauserboden mit gutem Kulturgrund“. In den Fluten versanken die Höfe Ober- und Unterörl mit dem dazugehörigen Einhof Nuihaus, Ober- und Untergamp, Ober- und Unterleit mit dem Leiterkirchlein und Spechtenhaus. Der Murkegel des Vernagtbaches hatte diesen Talboden Tal auswärts weithin abgeriegelt, und so tauchte schon früh seitens der Etschwerke in Bozen und Meran das Stauseeprojekt auf. Bereits ab 1948 verwandelte sich das Tal in eine Großbaustelle, auf der bis zu 600 Arbeiter – die meisten stammten aus Süditalien – beschäftigt waren. 1964 wurde der Staudamm in seinen endgültigen Ausmaßen fertiggestellt. Die Staumauer hat eine Höhe von 64 Metern und eine Länge von 480 Metern. 2,2 Millionen Kubikmeter Schüttmaterial riegeln das Tal ab, hinter dem bis zu 43,8 Millionen Kubikmeter Wasser gestaut werden. Die Auswirkungen des Stauseebaus waren für das gesamte Tal gewaltig – und zumeist negativ: Acht Bauernfamilien mussten dem Stausee weichen und zum Teil das Tal verlassen, weil sie kein Land außerhalb des Stausees besaßen. Die Eingriffe in den Wasserhaushalt des Tales waren unübersehbar: Mastaun und Penaudbach führen seit dem Stauseebau kaum Wasser, denn es wird zwischen 1700 und 1800 Metern Höhe gefasst und dem Stausee zugeleitet. Mehrere Quellen versiegten. Fast das ganze Jahr über führt der Schnalser Bach nur noch Restwasser. Stattdessen fließt das Wasser des Stausees durch einen 5,8 km langen Stollen hinüber zum Pfossental. Nahe dem Vorderkaserhof quert hier der Stollen freiliegend das Tal und führt weitere 8,5 km quer durch die Texelgruppe zum Naturnser Sonnenberg, ehe eine 2 km lange und 1040 m Höhenunterschied überwindende, freiliegende Druckrohrleitung das Wasser dem Kraftwerk in Naturns-Kompatsch zuführt. Die Stollen durch den Schnalser Sonnenberg blieben jedoch nicht ohne Folgen: Bei fast allen dortigen Höfen stellten sich Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung ein, und bisweilen versiegten die Quellen sogar völlig. Entschädigungen oder Ablösen für Grund und Wasser wurden nur teilweise und wenn überhaupt, dann mit erheblicher zeitlicher Verzögerung an die Betroffenen ausgezahlt. Bedenkt man die Millionen Kilowattstunden, die jährlich durch das Wasser des Tales erzeugt werden, lässt sich eine gewisse „soziale Ungerechtigkeit“ nicht verleugnen. Wenn das Wasser im See im späten Frühjahr seinen Tiefststand erreicht, ragt der Turm der alten Leiterkirche, erbaut 1727 und dem heiligen Nepomuk geweiht, gegen den Himmel. Das wertvolle Inventar, darunter ein Altar aus dem aufgelösten Kartäuserkloster Allerengelberg, konnte gerettet werden. Erst Jahrzehnte später wurde 1997 die heutige Leiterkirche auf Initiative der Bevölkerung und mit Unterstützung der Etschwerke erbaut, in der diese Kostbarkeiten bewahrt werden. Heute präsentiert sich der ruhige Weiler mit einigen Höfen, Hotels und Pensionen entlang des Seeufers. Auf ihren Terrassen kann man im Sommer die Sonne bis zum späten Abend genießen.
Öffnungszeiten
Schnals
Öffentliche Verkehrsmittel
Mit der Überlandlinie Nr. 261 bis nach Vernagt (Haltelstelle Vernagt)
Anfahrt
Naturns - Schnalstal - Vernagt
Parken
Parkplatz direkt am Vernagtsee, kostenlos, unbewacht
Koordinaten
Empfehlungen in der Nähe
Talblick Die Nockspitze ist der zentrale Aussichtsberg im Schnalstal. Vom Gipfel, der sich hoch über dem Vernagt Stausee erhebt, überblickt man das ...
Schöne Gipfelwanderung zur Schröfwand von Vernagt
Am hoch gelegenen Niederjoch Lärchenwald, Grashänge und felsige Steilhänge - die Wanderung zur Similaunhütte bietet einzigartige und abwechslungsrei ...
TrasumanzVom schönen Vernagter Stausee aus erreicht man bei dieser Tour den Talschluss mit dem kleinen Wintersportort Kurzras. Schon von weitem ...
SCNENIC TRAIL SAT27
FormvollendetBeliebte Gletschertour von der Similaunhütte aus
Vorbei am Stausee Vernagt erreicht man über eine Steilstufe den beliebten Wallfahrtsort Unsere Liebe Frau in Schnals.
Schöne Gipfelwanderung zur Nockspitze von Vernagt
Stausee Vernagt
Zu den berühmten Berghöfen am Steilhang über dem VernagtseeFür die Bergwanderer im Schnalstal sind die Berghöfe ein besonderer Anziehungspunkt, ...
TrasumanzVom schönen Vernagter Stausee aus erreicht man bei dieser Tour den Talschluss mit dem kleinen Wintersportort Kurzras. Schon von weitem ...
SAT27 SKY
Auf den Spuren des Eismanns Über Similaunhütte und Ötzi-Denkmal zum Gipfel
Hof oder Festung?Die Bauernhöfe im Schnalstal sind besonders sehenswert: Sie sind auf einem niedrigen gemauerten Sockel aus Holz gebaut, geschwärzt ...
Auf den Spuren »Ötzis«Im Jahr 1991 wurde am Tisenjoch, hoch oben auf 3200 Metern, eine Gletscherleiche gefunden, die sich als archäologische ...
Wenig bekanntDer Übergang über das 3097 m hohe Bildstöckljoch liegt etwas abgelegen im hintersten Matscher Tal und verbindet das Matschertal mit ...
Herrliche Balkonloge im SchnalstalSchon mal eine Schnalser Schneemilch probiert? Das traditionelle Dessert kann man sich auf der Berglalm schmecken ...

Nutzerfragen