In direkter Nachbarschaft zum Schloss Colditz befindet sich die Kirche St. Egidien. Es ist die größte Kirche der Stadt Colditz
Erstmalig wurde sie 1286 urkundlich erwähnt. Nachdem sie bei einem Brand im Jahr 1430 zerstört war, wurde sie 1504 wieder aufgebaut, als einziger Bauteil ist der Hohe Chor mit seinem Rippennetzgewölbe aus Rochlitzer Porphyr erhalten geblieben. Geschichtlich markant ist der 1598 von Kurfürstin Sophie gestiftete Hochaltar.
Der Kurfürstin ist auch ein umfangreiches soziales Engagement für die Bürger der Stadt nachzuweisen, was bereits während ihrer Aufenthaltszeit in Colditz gewürdigt wurde. Rechts und links an den Wänden im Altarraum sind aus Porphyr gehauenen Gedenktafeln eingelassen, die auf dieses wohlwollende Verhalten hinweisen. Ihr einstiger Platz war rechts und links der Vorhallentür. Sie wurden erst später in den Chorraum umgesetzt.
Die 1876/77 vom Rochlitzer W. E. Schmeisser erbaute Orgel ersetzte die aus den Jahren 1575 und 1707. Diese befanden sich damals auf der Nordempore, währen der Neubau auf die Westempore verlegt wurde. Es ist ein zweimanualiges Orgelwerk mit pneumatischer Traktur.
Das Kruzifix stammt aus einer Zeit vor der Reformation und seine Art ist bemerkenswert. Es zeigt eine tiefe Schnittwunde in der Brust, die sicher früher für kirchliche Rituale genutzt wurde. Im Raum rechts neben dem Altar befindet sich ein weiteres Kruzifix. Es ist zwar den Kirchenbesuchern nicht sichtbar, wird aber dennoch gepflegt.
Als geschätzte Persönlichkeit gilt auch Martin Luthers Freund, der 1483 in Colditz geborene und hier die Schule besuchende Wenceslaus Linck. Nach seinen Studien in Leipzig und Wittenberg wirkte er prägend im damaligen Kirchensystem. Ihm ist auch die Durchsetzung der Reformation für Altenburg und Nürnberg zuzuschreiben, die umfangreiche, noch heute wirkende Veränderungen in der Kirchengeschichte mit sich brachte. In der Vorhalle wird durch eine Gedenktafel an ihn erinnert. Hinter der Truhe gegenüber der Tafel sind alte Fliesen sichtbar. Es sind die letzten des einstigen Fußbodens.
Ein festliches Ereignis in jüngster Zeit war das 500-jährige Jubiläum der Glocken. Es wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dezember 2005 feierlich in der Kirche begangen. Ein weiteres 2013 - die Kantorei feierte ihr 425-jähriges Jubiläum. Sie ist einer der ältesten Kirchenchöre Sachsens.
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