Der Weiler Zermeiggern besass bereits im Jahr 1707 eine Kapelle. Anfangs der 1960er-Jahre sollte dort, wo der idyllische Weiler mit seinen sonnengebräunten Häusern stand, das Ausgleichsbecken des Mattmarkstausees errichtet werden. Dies hatte zur Folge, dass der Weiler samt seiner Kapelle, die 1910 neu erbaut worden war, überflutet wurde. Daher versprach die Betreiberin des Stausees, die Mattmark AG, den Neubau einer Kapelle an einer anderen Stelle. Die Pläne wurden von Architekt Raymund Zurbriggen aus Sitten erstellt. Am Gedenktag der hl. Anna, dem 26. Juli 1962, wurde die letzte Messe in der alten Kapelle gefeiert. Genau ein Jahr später, an St. Anna, wurde die neue Kapelle feierlich eingeweiht.
Am 30. August 1965 stürzten riesige Massen Eis vom Allalingletscher auf das Arbeiter-Barackendorf etwas unterhalb der heutigen Staumauer. 88 Menschen kamen dabei ums Leben. In der Kapelle Zermeiggern fanden die aus den Eismassen Geborgenen ihre erste Ruhestätte, bis sie in ihre Heimatorte zum Begräbnis überführt wurden. Die beiden Seitentafeln halten die Namen der Opfer dieser Katastrophe und aller anderen Toten fest, die dieses Bauwerk forderte. Die Kapelle Zermeiggern fungiert somit auch als Gedächtnisstätte, wo der Verstorbenen der Mattmarkkatastrophe gedenkt wird.
Als Altarschmuck dienten anfänglich die Statuen der alten Kapelle, von denen einige 1975 gestohlen wurden. Daraufhin wurden die übriggebliebenen Statuen in der Pfarrkirche St. Barbara aufgestellt.
Der einheimische Künstler Werner Zurbriggen entwarf den Kreuzweg, die Fenster und die drei Gemälde in der Kapelle. Das Gemälde links stellt Jesus, den Auferstandenen, in den vier Elementen Wasser, Feuer, Luft und Erde dar. Das Bild in der Mitte zeigt «Anna selbdritt», einen beliebten Bildtypus, bei dem Anna, deren Tochter die Gottesmutter Maria sowie Jesus gemeinsam dargestellt werden. Das Bild rechts verweist auf die Verkündigung Mariä durch den Erzengel Gabriel.
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