Interview mit Daniel Zumoberhaus
Ab der kommenden Wintersaison 25/26 erstrahlt der Pischewald in Oberwald in einer ganz besonderen Atmosphäre: Der neue Lichterweg lädt Einheimische, Zweitheimische und Gäste dazu ein, einen zauberhaften Spaziergang durch die magische Winterlandschaft zu erleben.
Daniel Zumoberhaus, Gemeinderat von Obergoms und Verwaltungsratsmitglied der OTAG, du bist Initiator des neuen Lichterweges im Pischewald und massgeblich an dessen Umsetzung beteiligt.
Wie ist die Idee zum Lichterweg entstanden und was hat dich dazu bewogen, die Idee umzusetzen?
Im vergangenen Winter spazierte ich an einem Abend bei Vollmond durch den Pischewald. Die frisch verschneite Landschaft, die Stille und Ruhe haben mich tief beeindruckt – zugleich war ich überrascht, dass ich auf dem Winterwanderweg ganz allein unterwegs war. Natürlich empfinden manche Menschen den Wald in den dunklen Abendstunden als etwas schaurig. Einige Wochen später unternahm ich denselben Spaziergang erneut, diesmal jedoch bei bewölktem Himmel. Obwohl die Umgebung weiterhin wunderschön war, fehlte etwas von jener besonderen Stimmung. In diesem Moment entstand die Idee, die zauberhafte Winterlandschaft mit sanften Lichtelementen zu betonen – unabhängig von Wetter und Mondlicht.
Licht gehört für mich im Winter ebenso dazu wie Schnee, ein heisser Tee oder ein Glühwein. Es bringt Wärme in die kalte Jahreszeit, zaubert ein Lächeln ins Gesicht und lädt dazu ein, den Alltag für einen Moment hinter sich zu lassen. So verliert auch der Spaziergang durch den Wald seine Schaurigkeit und erhält eine wohltuende, einladende Atmosphäre.
Unsere wunderschöne Region bietet tagsüber ein grossartiges Angebot an Winteraktivitäten – allen voran die berühmte Loipe Goms. Nach Einbruch der Dunkelheit hingegen reduziert sich das Freizeitangebot auf wenige Möglichkeiten. Dabei wäre gerade ein abendlicher Spaziergang vor oder nach dem Essen eine wunderbare Gelegenheit, die besondere Gommer Naturlandschaft zu geniessen. Mit dem Lichterweg möchte der Gemeinderat Obergoms genau für diese Stunden ein neues Angebot schaffen – um Menschen zusammenzubringen, Bewegung in der frischen Luft zu fördern und die Einzigartigkeit unserer Region auch abends erlebbar zu machen.
Wie wurde der Lichterweg gestaltet – was war bei der Planung besonders wichtig?
Die Gestaltung des Lichterwegs erfolgte durch die Gemeinde Obergoms unter grosser Unterstützung des Werkhof Teams sowie in enger Zusammenarbeit mit der Obergoms Tourismus AG und dem Elektroplaner Bacher & Schmidt aus Münster.
Durch die Ergänzung mit Gedichten und Geschichten von Tony Lagger wollten wir dem Weg zusätzlich Leben einhauchen und das Erlebnis auf eine besondere, erzählerische Weise abrunden.
Uns war es von Anfang an wichtig, dass der Lichterweg zum Goms passt und die Werte der Region widerspiegelt. Das bedeutet konkret: Wir wollten etwas schaffen, das berührt und fasziniert, die Zeit in der Natur aufwertet – ohne dabei mit übertriebenen oder pompösen Lichtinstallationen zu arbeiten. Der Weg soll durch seine Schlichtheit, Natürlichkeit und Stimmung überzeugen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium war für uns, dass der Lichterweg über die gesamte Wintersaison hinweg thematisch passend gestaltet ist und nicht nur auf die Weihnachtszeit ausgerichtet wird.
Um unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, soll der Weg in mehreren Varianten begehbar sein, die eine flexible Anpassung der Wegstrecke je nach Zeit und Lust erlauben.
Schliesslich wurde grosser Wert darauf gelegt, dass der Betrieb des Lichterwegs möglichst autonom funktioniert und nur wenig Betreuung erfordert – damit das Licht auch in den kommenden Jahren Freude bereiten kann.
Welche Atmosphäre oder Stimmung soll der Lichterweg den Besucherinnen und Besuchern vermitteln?
Uns ist es wichtig, dass die insgesamt zehn Lichtelemente nicht nur zur Dekoration dienen, sondern zum Innehalten einladen – damit man den Moment bewusst wahrnimmt und auf sich wirken lässt. Gleichzeitig lädt der rund 1,5 Kilometer lange Weg dazu ein, die besondere Stimmung der verschneiten Waldlandschaft inmitten der Natur zu geniessen.
Um der Natur genügend Raum zu geben, haben wir uns ganz bewusst für sanfte Lichtinstallationen entschieden, die sich in den späteren Abendstunden automatisch abschalten. Ein besonders schönes Beispiel für diesen naturnahen Ansatz ist der sogenannte „Naturstop“: Hier steht lediglich eine Holzsitzbank unter einem Baum – ganz ohne zusätzliche Beleuchtung. Sie lädt dazu ein, Platz zu nehmen, den Blick zu den umliegenden Bergspitzen schweifen zu lassen und die natürliche Strahlkraft des Sternenhimmels zu geniessen.
Eine passende Geschichte von Tony Lagger, abrufbar über einen QR-Code, ergänzt diesen Moment der Ruhe und vertieft das Erlebnis. Der Lichterweg bietet somit nicht nur ein visuelles, sondern auch ein emotionales Erlebnis – eine kleine Auszeit, um den Alltagsstress hinter sich zu lassen und die Gedanken einfach treiben zu lassen.
Wird es ergänzende Veranstaltungen oder Aktionen rund um den Lichterweg geben?
Genau das ist die Idee. Der offizielle Start des Lichterwegs findet am Freitag, 12. Dezember 2025, um 18.00 Uhr in Oberwald mit einem kleinen Eröffnungsevent statt. Der kann Weg täglich – jeweils nach Einbruch der Dunkelheit bis 23.00 Uhr – individuell begangen werden.
In Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern von Oberwald sind zudem einzelne Anlässe geplant, bei denen der Lichterweg gemeinsam erlebt werden kann. Wie diese Events im Detail ausgestaltet werden, steht derzeit noch nicht fest. Sicher ist jedoch: Alle öffentlich zugänglichen Veranstaltungen werden laufend im Veranstaltungskalender der Obergoms Tourismus ergänzt.
Welche Zukunft wünschst du dir für den Lichterweg – könnte daraus vielleicht eine neue Tradition in Oberwald entstehen?
In erster Linie wünsche ich mir, dass der neue Lichterweg bei Einheimischen, Zweitheimischen und Gästen gut ankommt und rege begangen wird. Die Umsetzung des Projekts hat viele Ressourcen erfordert – umso schöner wäre es, wenn sich dieser Einsatz aller Beteiligten lohnt und das neue Angebot Anklang findet.
Sollte dies der Fall sein, hoffe ich, dass der Lichterweg auch in den kommenden Jahren bestehen bleibt und sich langfristig etablieren kann. Wir sind gespannt auf die Rückmeldungen – sowohl zum Gesamterlebnis als auch zu einzelnen Elementen –, um das Angebot bei Bedarf weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Mein Wunsch wäre, dass sich der Lichterweg zu einem festen Bestandteil der Region entwickelt: ein Angebot, das für Einheimische, Zweitheimische und Gäste einfach dazugehört. Vielleicht gelingt es uns ja, dass künftig jeder – mindestens einmal pro Winter – diesen besonderen Weg begeht, weil er zu einem schönen Ritual im Gommer Winter geworden ist. Man darf ja träumen.

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