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Rellseck

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  • Siedlungsraum Fundorte
    Siedlungsraum Fundorte
    Photo: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rüdiger Krause, Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Ankunft der ersten Siedler

Vor den ersten Siedlern kamen bereits zwischen 8000 und 6000 v. Chr. die ersten Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit ins Montafon. Zahlreiche Funde belegen, wie die Menschen in der Bronze- und Eisenzeit in dem Tal gelebt und gearbeitet haben: als Bauern und Viehzüchter, aber auch als Bergleute. Sogar eine bronzezeitliche Burganlage und Siedlung aus dem 15./16. Jahrhundert v. Chr. kamen bei Ausgrabungen im Friagawald zum Vorschein. In der Knappengrube wurde bereits in keltischer Zeit Erz abgebaut und Bergbau betrieben, deren Anfänge bis in die Bronzezeit zurückgereicht haben könnten.

 

 

 

 Die Alpen – ein prähistorischer Siedlungsraum?

Die Geschichte der Besiedlung der Alpen durch den Menschen ist eng mit dem Lebensraum, dem Klima und den Gletschern verbunden. Die Besiedlung und die wirtschaftliche Nutzung der alpinen Siedlungsräume in den vorgeschichtlichen Perioden vor der Zeitenwende werfen viele Fragen auf. Was trieb die Menschen dazu sich über die Randbereiche der Ökumene und über die natürlich begünstigten Siedelzonen hinweg auszubreiten? Die Erforschung der Grenzräume menschlicher Siedeltätigkeit zählt zu den interessantesten Fragestellungen der Siedlungsarchäologie. Denn hier gilt es Siedlungsprozesse zu untersuchen, die auf unterschiedliche Beweggründe und Motivationen der Menschen zurückzuführen sind und die unsere Vorfahren in vor- und frühgeschichtlichen Perioden dazu brachten zuvor unbewohnte Gebiete am Rand der natürlichen Siedelzonen zu nutzen.

Die Alpen bieten in dieser Hinsicht unterschiedliche und eng beieinander gelegene Siedlungs- und Lebensräume von der flachen Voralpenzone, den Talschaften und inneralpinen Beckenlagen über submontane bis montane Höhenlagen oberhalb der Waldgrenze.

Seit dem Beginn des 2. Jahrtausends ist für die Bronzezeit eine verstärkte Nutzung des alpinen Lebensraumes festzustellen, die sich durch zahlreiche Siedlungen, Einzel- und Depotfunde und durch eine längerfristige Siedlungstätigkeit in Form von Siedlungszeigern in den Pollenprofilen abzeichnet. Untrügliche Zeugnisse sind die vielen Höhen- und Passfunde, die eine intensive Begehung und Nutzung der Höhenlagen als Hochweiden auch über der Waldgrenze belegen sowie auf regen Austausch und Kommunikation zwischen den inneralpinen Talschaften verweisen. René Wyss hat angesichts der gegenüber dem Neolithikum stark angestiegenen Zahl an Funden und Fundstellen gar von einer „Eroberung der Alpen durch den Bronzezeitmenschen“ gesprochen.

Für die Bronzezeit stehen drei unterschiedliche Erklärungsmuster der Nutzung des alpinen Lebensraums im Vordergrund: einerseits die Alp- und Hochweidewirtschaft als ein Modell eines jahreszeitlichen Weidewechsels im Sinne der Transhumans auch über größere Distanzen hinweg, andererseits der Alpen überquerende Verkehr im Zuge großräumigen Austauschs sowie der alpeninterne Verkehr zwischen Talschaften und schließlich die Prospektion und der Abbau von Kupfererzen.

Auch aus dem Montafon sind schon seit dem 19. Jh. verschiedene bronze- und eisenzeitliche Einzelfunde wie Äxte, Beile und Lanzenspitzen im Schrunser Becken und im Gargellental bis hinauf zur Passhöhe des Schlappiner Joches (2202 m ü. NN) bekannt und weisen auf eine Begehung und Nutzung dieser Tallandschaft als Verkehrsroute hin.

 

Ein undurchdringlicher Urwald?

Dennoch galt das Montafon in der Vorarlberger Geschichtsschreibung bis zur Entdeckung einer ersten prähistorischen Siedlung am Bartholomäberg im Jahre 1999 als eine in der Urgeschichte nicht besiedelte Tallandschaft. Allerdings zeigen heute die zahlreichen archäologischen Funde und prähistorischen Siedlungen, dass Jäger und Sammler bereits seit der Mittelsteinzeit im 7./6. Jahrtausend v. Chr. Höhenlagen bis in 2200 m aufsuchten. Seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. setzte in der frühen und mittleren Bronzezeit eine intensive Siedeltätigkeit ein, die mit dem Abbau von Kupfererzen und ihrer Verarbeitung in Zusammenhang gebracht wird. Die vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen an mehreren Mooren zeigen sehr deutlich die verschiedenen Phasen der Nutzung dieses inneralpinen Lebensraumes durch den prähistorischen Menschen.

 

Das Montafon – ein prähistorischer Siedlungs- und Wirtschaftsraum

Die Ergebnisse der seit dem Jahr 2000 durchgeführten archäologischen Ausgrabungen sowie der vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen an Mooren belegen eindrucksvoll, dass die urgeschichtliche Besiedlung im Montafon bereits um 3000 v. Chr. einsetzte. Neben dem verkehrsgünstigen Zugang vom Rheintal über das Walgau und den Verbindungen über Passhöhen nach Süden in andere alpine Siedlungsräume dürften die vermehrte Begehung und Besiedlung des Montafons seit der frühen Bronzezeit ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. mit den guten Weideplätzen sowie der Erkundung und dem Abbau von Kupfererzen, später in der Eisenzeit möglicherweise auch mit dem Vorkommen von Eisenerzen in Verbindung zu bringen sein.

 

Montafon-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Texte: Prof. Dr. Rüdiger Krause und Mitarbeiter, Institut für Archäologie Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Coordinates

DD
47.107133, 9.891528
DMS
47°06'25.7"N 9°53'29.5"E
UTM
32T 567643 5217455
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