Pfarrkirche hl. Leonhard
Bad St. Leonhard i. L., Pfarrkirche hl. Leonhard
Die heutige Kirche, östlich über der Stadt an einem Hang gelegen, hat ihren Ursprung in einer Leonhardskapelle, der „capella sancti Leonardi in Gaminare“ die vom Bamberger Bischof Otto I. zwischen 1106 und 1139 gegründet wurde. Der heutige Bau, eine dreischiffige spätgotische Basilika mit langgestrecktem Chor mit Fünfachtelschluss, geht auf die erste Hälfte des 14. Jhs. zurück. An der Südseite befinden sich im Bereich der Obergaden des Mittelschiffes drei kleinere und an der Chorwand über der Sakristei zwei größere Rosettenfenster. An der Südseite sind zwei von gotischen Baldachinen bekrönten Konsolen mit den Statuen der hll. Leonhard und Laurentius aus dem 14. Jhs. angebracht.
Die Kirche ist von einer Leonhardskette umgeben, die 1910–1912 geschmiedet wurde. Die ursprüngliche Kette wurde ca. 1480 von einem in türkische Gefangenschaft geratenen und wieder freigelassenen Bauern gestiftet. Diese Kette umschlang die Kirche zweimal und wurde in der Zeit Josefs II. entfernt.
Der frühbarocke dreigeschoßige Hochaltar mit seitlichen Opfergangsportalen (um 1640) füllt den Chor nahezu in voller Höhe und Breite aus. Das Mittelbild zeigt die Himmelfahrt Mariens (1. H. 18. Jh.) und wird von den Statuen der hll. Leonhard und Laurentius flankiert. Im Obergeschoß stehen links die Skulpturen der heiligen Heinrich und Sebastian und rechts die von Kunigunde und Rochus. Das Aufsatzbild stellt die Marter des heiligen Laurentius dar. Die Bekrönung des Hochaltars bildet ein Tondo, den heiligen Leonhard bei den Gefangenen zeigend, und die Statuen von Michael, Katharina, Barbara, Georg und Florian.
An der nördlichen Chorseite steht ein Leonhardi-Altar (um 1670), das eigentliche Ziel der Wallfahrer. Der Altar birgt in der Mittelnische den hl. Leonhard und in den Seitennischen Johannes den Täufer und den hl. Christophorus.
Die überreich ausgestattete Wallfahrtskirche hat weiters einen Katharinen-Altar (M. 17. Jh.), einen spätgotischen Annenaltar (der Flügelaltar von 1513 stammt vermutlich aus der Judenburger Werkstatt), einen Anna-Selbdritt-Altar (M. 17. Jh.), einen Antoniusaltar (um 1513, Judenburger Werkstatt) und einen Marienaltar (M. 17. Jh.).
An der Chornordwand hängt seit 1915 das um 1520 entstandene spätgotische Fastentuch von Reichenfels, das in 25 Feldern sieben Szenen aus dem Alten und achtzehn Szenen aus dem Neuen Testament enthält. Die einzelnen Darstellungen beziehen ihre Motive aus Stichen des Dürer-Umfeldes.
Die Kirche besitzt außerdem einen für Kärnten einzigartigen Bestand an gotischen Glasgemälden. Die acht Maßwerkfenster in den Chören und im Langhaus sind mit rund 140 Glasgemälden ausgestattet, die um 1340 von der ersten, bzw. um 1400 von der zweiten Judenburger Werkstatt angefertigt wurden.
Literaturnachweis:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, S. 39–44.
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