An Stelle einer Wasserburg, die hier 1222 – also zeitgleich mit der Rodungstätigkeit der Schaumburger Grafen im Dülwald und mit der Stadtgründung – erbaut war, entstand unter den Grafen Adolf XIII. und Otto IV. zwischen 1534 und 1544 ein „modernes“ Wohnschloss unter Einbeziehung des mittelalterlichen Torbaues. Die Vierflügelanlage (der Nordflügel wurde erst Ende des 16. Jh. vollendet) öffnet sich nach NW zum Marstall.
Die Architektur zeigt den schlichten, strengen Stil: Die Geschosse sind durch Gesimse getrennt; die Zwerchhäuser mit den abgestuften, mit Kugeln verzierten Halbkreisgiebeln setzen die Akzente; die Stirngiebel sind (wie am Rathaus) überhöht. Am Treppenturm in der SW-Ecke des Innenhofes – verputzt und farbig gefasst wie ursprünglich das ganze Schloss – findet sich die Jahreszahl 1536 und das Meisterzeichen des Jörg Unkair. Er stammte aus der Gegend um Tübingen und gilt als der bedeutendste Baumeister der Renaissance im Weserraum. Im Innenhof neben dem Tor der Wappenschild der Schaumburger mit dem „Nesselblatt“.
Seit Verlegung der Residenz nach Bückeburg (1607) diente das Schloss meist als Witwensitz; 1873 wurde der Schlossgraben eingeebnet. Eine Mauer umgibt den Schlosspark, der als botanischer Garten noch Restbestände exotischer Bäume aufweist. Am „Kavaliershaus“ (Gästehaus) außerhalb der Schlossbrücke eine mehr als 500 Jahre alte Gerichtslinde. Im Schloss sind – nach Absprache mit dem Finanzamt, das jetzt Hausherr ist – drei Prunkkamine des Flamen Arend Robin zu sehen: „Triumph der Elemente“, „Die vier Jahreszeiten“ (beide 1576) und „Triumph des Bacchus“ (1604).
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31655 Stadthagen
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