Dem Widderstein gebührt unzweifelhaft die Krone der Kleinwalsertaler Bergwelt. Als gewaltiger, felsiger Solitär dominiert er den Talschluss, seine Nachbarn deutlich überragend. Am häufigsten wird der Widderstein indes vom nahen Hochtannbergpass aus bestiegen. Jeder Normalbergsteiger muss sich eh auf die Südseite des schroffen Gipfelaufbaus begeben, denn nur dort öffnet sich ein möglicher Zugang ins Gipfelstockwerk: ein rinnenartiger Steiltrichter mit letztlich erstaunlich moderaten Hürden. Aus Kleinwalsertaler Perspektive lohnt sich dennoch der erhöhte Aufwand, von Baad aus eine ausschweifende Rundtour via Bärgunt- und Gemsteltal ins Auge zu fassen. Mit ihren lieblichen Alpböden und steilen Bergflanken, den rauschenden Bächen und sogar Wasserfällen sind diese abgestuften Hochtäler ausgesprochen romantischer Natur und versprechen fraglos auch dem Normalwanderer eine sehr reizvolle gipfellose Wanderung, die dann mit 6 Std. zu veranschlagen ist. Alle Ambitionierteren lockt freilich der Abstecher zum Scheitel des Berges – eher anstrengend als wirklich schwierig und natürlich mit hochalpin-dramatischer Aura –, um dort schließlich einen gigantischen Blick über das Gipfelmeer der Alpen zu ermessen.
Von Baad wandern wir zunächst recht gemütlich ins Bärgunttal einwärts, meist in der Nähe des Bachs. Nach einem Abzweig zur Widdersteinalpe wird es etwas steiler. Wo sich ein schöner Alpboden öffnet, empfängt uns die Bärgunthütte, 1408 m – übrigens ein beliebtes Ziel für Ausflügler mit beschränkten Wanderambitionen. Im Hintergrund des Hochtals wird eine Geländestufe in zahlreichen Windungen bewältigt. Auf dem nächsten Absatz nach links über den Bach, dann steiler aufwärts, wieder über den Bach nach rechts querend und auf den freien Weiden oberhalb schließlich deutlich nach links (Osten) eindrehend Richtung Hochalppass, 1938 m. Dort wenden wir uns linker Hand zur Bärgunt-Hochalpe am Seekopf hinauf und müssen uns in der Senke hinter dem Buckel entscheiden, ob wir direkt zur Widdersteinhütte traversieren wollen (unterer Weg) oder auf den Gipfel erpicht sind. In diesem Fall schräg aufwärts und über Schotterhalden bis zum Einstieg unter den Auslauf der markanten Südschlucht. Blau-weiße
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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