Im Grenzkamm zwischen Kleinwalsertal und Oberstdorfer Raum zieht das schroffe, dreigipflige Massiv der Hammerspitzen optisch Aufmerksamkeit auf sich – eine Hauptdolomitformation par excellence! Die einst verwirrende Namensgebung konnte inzwischen einvernehmlich reguliert werden: Vom Schüsser – in allen vor 2013 erschienenen Karten- und Führerwerken noch zu lesen – ist keine Rede mehr, der Nordgipfel heißt jetzt Walser Hammerspitze, dem Südgipfel gebührt der Zusatz »Oberstdorfer« und dazwischen befindet sich wie eh und je die Hochgehrenspitze. Eine Gesamtüberschreitung kann in meinem Buch »Wilde Wege Allgäu – Lechtal« detailliert studiert werden – für Normalwanderer fällt diese Unternehmung mit Schwierigkeiten um T5–6 allerdings zu happig aus. Deshalb widmen wir uns an dieser Stelle nur der Walser Hammerspitze, die von der Kanzelwandbahn relativ rasch erreichbar ist. Eine wohldosierte Portion alpiner Pep kommt gleichwohl ins Spiel, denn wir wagen uns immerhin an den mitunter exponierten Gratübergang von der Kanzelwand, die quasi als Appetizer vorab besucht wird. Der Pfad ist durchaus ein wenig »wild« angehaucht und nicht beschildert. Vermutlich sollen Ungeübte nicht extra angelockt werden. Ohnehin kommt man ja auch via Kuhgehrensattel hinauf – eine Route, die wir schließlich im Abstieg begehen und dabei noch den wunderbaren Logenplatz der vorspringenden Kuhgehrenspitze mitnehmen.
Das Gros des Höhenunterschiedes zwischen Tal und Berg bewältigen wir bequem mit der Kanzelwandbahn und starten von der Höhe des Gundkopfes mit einem kurzen Abstieg in den nahen Sattel. Ein gut ausgebauter Steig führt nun gegen die Kanzelwand, 2059 m, hinan – im Allgäu ursprünglich auch Warmatsgundkopf genannt. Während der »Erlebnis-Klettersteig« unmittelbar durch die Felsen emporzieht, umgeht der Normalweg diese zu einer Gratlücke und führt dann eher harmlos von hinten hinauf. Beim erwähnten Schärtchen nehmen wir die Fortsetzung auf: zuerst einige Meter auf der Ostseite bergab, dann ohne Beschilderung auf den abzweigenden Gratpfad. Man überschreitet eine zwischengelagerte schrofige Erhebung und kommt dahinter in den tiefsten Sattel (P. 1972 in der AV-Karte). Der Gegenanstieg fällt stellenweise eine Nuance anspruchsvoller aus. Obacht, denn es gibt mitunter mehrdeutige Pfadspuren. Zuweilen weicht man vorteilhaft von der unmittelbaren Gratlinie ab, doch nie sehr weit. Mit etwas Kraxelei
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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