Beim Namen »Sesvenna« weiß der Kenner umgehend, wo zu verorten: Diese Gruppe befindet sich im äußersten Westen Südtirols, im Grenzbereich zur Schweiz. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte hier die Alpenvereinssektion Pforzheim ihre Hütte errichtet. Der schlichte Steinbau steht heute als Zeuge politischer Turbulenzen, die einen regulären Hüttenbetrieb über lange Zeit vereitelten, und wurde kurz vor dem totalen Verfall denkmalgeschützt und in ein kleines Museum umfunktioniert. Seit 1981 ist der Standort mit der wenige Minuten entfernten Sesvennahütte des Südtiroler Alpenvereins für Wanderer und Bergsteiger reaktiviert – in der Wintersaison sogar für Skitourengeher, die in der Umgebung einige sehr lohnende Ziele finden. Abgesehen von der spannenden Uinaschlucht auf Engadiner Seite erfolgt sommers die schönste Annäherung über den sonnseitigen Höhenweg. Wer den Ausflug etwas erweitern möchte, ohne gleich einen Gipfel zu besteigen, findet in der Hüttenumgebung mehrere Seen und Lacken. Am Normalweg durch das Hochtal liegt für Kurzentschlossene noch die Schliniger Alm, rätoromanisch Alp Planbell, was sich mit »Schönboden« übersetzen ließe. Und tatsächlich handelt es sich um ein echtes Weideparadies. Rund 70 Kühe liefern hier jeden Sommer fast 100.000 Liter Milch, die direkt vor Ort verarbeitet wird, »Show-Käsen« inklusive. Und probieren nicht versäumen!
In Schlinig, 1738 m, nehmen wir Weg Nr. 1A am sonnseitigen Talhang auf, gehen ein Stück weit durch offenes Gelände und tauchen dann in den Lärchenwald ein. Die Route windet sich geschickt über den steilen Troghang hinweg. Oberhalb der Waldgrenze passieren wir eine Hirtenhütte und treffen kurze Zeit später auf den von Plantapatsch herführenden Höhenweg, ca. 2200 m. Die Strecke taleinwärts bis zu unserem Hüttenziel ist jetzt noch ziemlich lang, aber als Panoramaweg ein einziger Hochgenuss. Wir kommen an einer weiteren Schäferhütte, 2336 m, vorbei und queren anschließend ohne nennenswerte Höhenunterschiede die Hanglagen von Vernung. Gegen Ende zieht der ursprüngliche Verlauf direkt zur einstigen Pforzheimer Hütte hinab, während uns die Markierung auf einen oberhalb ausholenden Bogen lotst. In diesem Fall gelangen wir quasi von hinten zur Sesvennahütte, 2258 m.Retour wählen wir den topografisch vorgegebenen Normalzugang. Nach einem Flachstück wird die Wasserfallstufe bei der Schwarzwand
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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