Einst abenteuerlicher Schulweg und ausgedehnter Gipfelgang
Die landschaftlich überragende, allerdings auch einen gewissen Durchhaltewillen abverlangende Stapftour auf den Hauptgipfel der Sonthofner Sonnenköpfe führt an einem der höchstgelegenen Dauerwohnsitze im Allgäu vorbei. Die Rede ist von der Gaisalp. Früher waren sogar alle heute noch stehenden vier Häuser der näheren Umgebung ganzjährig bewohnt. Es ist noch nicht so lange her, da zählten zur Gaisalpfamilie auch Schulkinder. Doch wer glaubt, der jungen Generation der abgeschieden lebenden Bergbauern ging etwas ab, der irrt sich gewaltig. Der sportliche Nachwuchs des urigen Gasthauses verfügte über eine hauseigene Rodelstrecke – und was für eine! Die Kufenrennbahn nach Reichenbach auf der östlichen Illerterrasse galt wohl als einer der abenteuerlichsten Schulwege Deutschlands.
Abenteuerlich kann für uns auch der Weiterweg werden, wenn wir die Schnippenkopf-Route zu voreilig auf den Planungstisch gelegt haben. Türmen sich nach ausgiebigen Schneefällen Frau Holles Federpolster im Übermaß, so wird die Tour leicht zur Tortur, der Traum schnell zum Albtraum. Dann versinkt man selbst mit Schneeschuhen im viel gepriesenen weißen Märchen, dass der Unmut zum Kochen anfängt. Es gibt zudem Skitourengeher, die bezeichnen den Aufstieg, ohne mit der Wimper zu zucken, als lawinensicher. Wer jedoch Gebietskenner befragt, hört da ganz andere Geschichten. Will man auf Nummer sicher gehen, wartet man also am besten die ersten Tage nach einem Schneechaos ab, bis sich die Situation entschärft hat. Dann ist das Ganze auch gleich viel lockerer zu nehmen.
Aber vielleicht zieht man ja dieser kraftfordernden Unternehmung ohnehin eine leichtere Rundwanderung vor. Als eigenständiger Tourenvorschlag empfiehlt sich, zuverlässige Verhältnisse vorausgesetzt, die Kombination des bei der Gaisalpkapelle beginnenden Wallrafwegs nach Oberstdorf (bei Lawinengefahr gesperrt) und des bequemen Talwegs über Rubi zurück nach Reichenbach. Die gesamte, etwas lange Runde ist von der Marktgemeinde Oberstdorf als Winterwanderweg angelegt.
Am Alpengasthof Hirsch in Reichenbach weist uns das Schild »Gaisalpe« auf ein Bergsträßchen zum Wanderparkplatz am Beginn eines kurvigen, stets vom Schneepflug freigehaltenen Alpwegs. Nach Queren des Gaisalpbachs setzt durch den aufgelockerten Wald ein einheizend kräftiger Aufschwung an. Im weiteren Verlauf wechseln Steilstücke mit leichteren Abschnitten. An einer Gabelung bleiben wir der Gaisalproute treu. Zurück blickend zeigt sich das Ifengebiet. Bald passiert man oberhalb des Gaisalptobels mit Nebelhornblick die Gaisalpkapelle. Der Bergkessel unter dem Nebelhorn, in dem der Gaisalpsee seinen Winterschlaf hält, überrascht mit tiefernstem Gesicht. Nach einer weiteren Bachquerung winden sich wenige letzte Kehren empor zum ständigen Wohnsitz der Gaisalp, 1149 m. Die Rubihorn-Nordwand brüstet sich von hier für den nicht mal Zweitausender mit einem ziemlichen Imponiergehabe. Das Täfelchen »Falkenalpe« zeigt nach einer stärkenden Einkehr die Richtung. Normalerweise kann man sich auf dem
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