Gleichsam in der »ersten Reihe« über dem Füssener Land aufragend ist der Säuling zweifellos ein (Ost-)Allgäuer Berg, doch die Alpingeografie weist ihm – völlig zu Recht – die Position des westlichen Eckpostens der Ammergauer Alpen zu. Als alpines Wahrzeichen der Region ist der Säuling populär wie kaum ein Zweiter in diesem Gebirge, was womöglich nicht nur mit seinem markanten, felsigen Profil zu tun hat, sondern auch mit der näheren Umgebung und ihrer hochherrschaftlichen Geschichte. Neuschwanstein, das Märchenschloss Ludwigs II. zu Füßen des Säulings, rangiert schließlich in der Liste der berühmtesten deutschen Sehenswürdigkeiten ganz weit oben. Für das Gros der Touristen aus aller Herren Länder bildet der Berg also bloß die passende Bilderbuchkulisse im Hintergrund, von uns Bergsteigern wird er freilich auch eifrig bestürmt. Zwei Routen bieten sich dafür an, die sich mittels einer Umrundung des angegliederten Pilgerschrofens in ihren Kernstücken sogar kombinieren lassen: der Nordanstieg von Hohenschwangau und die Südroute vom tirolerischen Pflach über das Säulinghaus.
Von Hohenschwangau, 820 m, folgen wir den Hinweisen zum Säuling hinauf zur Haltestelle des Neuschwanstein-Shuttles unweit der Marienbrücke. Eine weitere Forststraße bringt uns mit einigen längeren Schleifen durch den Bergwald bis zur Lichtung beim Älpele, 1296 m, wo sich ein Steig anschließt. Mit diesem zunächst rechts haltend zur Wildsulzhütte, 1420 m, bei der Gabelung links und auf häufig feuchtem und wurzligem Untergrund höher. Zwischendurch geht der Verlauf mehr in eine Traverse über, ehe – nach Abzweig der Verbindung zur Fritz-Putz-Hütte – wieder kräftig angestiegen wird. Dabei geraten wir in zunehmend felsdurchsetztes Gelände mit einigen gesicherten Passagen, anfangs auch mit einer Leiter. Kurzweilig führt unser Steig hinauf zum plateauartigen, begrünten Sattel, der auch als Gamswiese geläufig ist. Die Südroute über das Säulinghaus kommt hier dazu. Jetzt an den Gipfelaufbau heran, erneut schrofig aufsteilend und zuletzt entweder nach rechts zum großen Kreuz auf dem Westgipfel,
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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