Als niedrigste Gebirgsgruppe der Hohen Tauern, ohne einen einzigen Dreitausender, steht die Kreuzeckgruppe im Schatten der berühmten Tauerngipfel. So ist es in diesem faszinierenden Gebirgsstock einsam und ruhig geblieben. Die Wege sind weit, die Hütten rar und die Hüttenzustiege lang. Umso erfreulicher, dass ausgerechnet der höchste Berg in der Gruppe eine Ausnahme darstellt, denn die Polinikhütte teilt den Gipfelanstieg in zwei angenehme Abschnitte. In der gemütlichen Hütte, die für ihren schönen Blumenschmuck bereits ausgezeichnet wurde, lässt es sich gut nächtigen. Die Hütte steht auf einem besonders schönen Aussichtsbalkon, weit reicht der Blick über das Mölltal nach Westen und nach Süden und vis-à-vis im Norden grüßt die alles beherrschende Tauernkönigin, die Hochalmspitze, herüber. Noch umfassender ist dann, mit dem Großglockner im Zentrum, der Rundblick vom Polinik, der als ganz ausgezeichneter Aussichtsgipfel berühmt ist.
2. Tag: Von der Hütte gehen wir am Kreuz vorbei und biegen kurz darauf von der Hüttenzufahrtsstraße rechts ab. Der schöne Weg führt anfangs durch ein lichtes Lärchenwäldchen, doch schon bald lassen wir die Baumgrenze hinter uns und wandern über freie Hänge, auf denen üppig die Alpenrosensträucher wachsen. In angenehmer Steigung wandern wir nach Südwesten, an der Abzweigung zum Ebeneck vorbei, und gelangen zu einer Felsrippe, ca. 2400 m. Wir überklettern die Felsen und steigen jenseits steil etwa 20 m bergab, dann queren wir allmählich in das weite Polinikkar. Im Übergangsbereich vom Geröll zum Gras führt der geschickt angelegte Weg bis an den Gipfelaufbau. Über steilen Schotter und leichte Felsen, teilweise mit Drahtseilen versichert, windet sich der neu markierte Steig durch das Steilgelände ohne größere Schwierigkeiten hinauf zur Grathöhe, die wir in einer schwach ausgeprägten Scharte erreichen. Wir wechseln auf die Südseite und wandern durch die Südflanke, zuletzt über einen
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Autor
Evamarie Wecker
Evamaria Wecker ist seit ihrer Kindheit in den Bergen unterwegs. Zusammen mit ihrem Mann Primus Wecker hat sie ihre Leidenschaft für Wanderungen und Hochtouren in den Alpen entdeckt. Was zunächst nur Urlaubsvergnügen war, hat sich vor einigen Jahren zum Hauptberuf entwickelt. Evamaria Wecker ist als aktive Fachübungsleiterin Bergsteigen beim Deutschen Alpenverein viel mit Gruppen auf Tour. Als Autorin hat sie mehrere Buchtitel im Bergverlag Rother und Texte für alpine Fachzeitschriften verfasst, zu denen Primus Wecker als begeisterter Fotograf jeweils die Bilder beigesteuert hat.

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