Über dem Ridnauner Talschluss steht die Krapfenkarspitze in ausgesuchter Position; unweigerlich drängt sie sich ins Blickfeld. Das verspricht umgekehrt natürlich auch eine famose Gipfelaussicht – hinaus in die Talachse einerseits sowie auf die Dreitausender-Riege rund um den Übeltalferner andererseits. Doch die spärlichen Pfade deuten schon an, dass die Krapfenkarspitze gar nicht so häufig besucht wird. Da mag das steile Gelände vielleicht abschrecken oder der wenig bekannte Name ist einfach nicht so im Bewusstsein verankert wie andere Ziele der Umgebung. Jedenfalls zählt die Überschreitung zu den besonders abwechslungsreichen Touren und ist nach meiner Erfahrung in beiden Richtungen lohnend.
Vom letzten Parkplatz in Maiern, 1426 m, wandern wir mit Nr. 9 auf der linken Seite des Fernerbachs – oder etwas länger durch die Burkhardklamm – Richtung Aglsboden, 1705 m, hinauf. Gleich hinter der Staumauer und dem Gatter zweigt links der kleine Steig zur Krapfenkarspitze ab. Es geht sofort in steile Hänge. Durch verwachsenes Alpenrosengelände bis unter einen kleinen Felsriegel und links haltend weiter zu einer flacheren Grasrampe, wo es etwas angenehmer wird. Der Pfad leitet zur Schulter am Horn, 2164 m – ein toller Aussichtspunkt mit Wetterkreuz. Damit gelangen wir auf den langen und stellenweise durchaus luftigen Ostgrat unseres Berges. Er wird durchgängig verfolgt, bis er sich unter der abweisenden, felsdurchsetzen Gipfelflanke verliert. Hier queren wir auf kleinem Pfad nach links in abschüssige Schafmatten hinein und orientieren uns zum Südgrat hinauf. Einige Hindernisse zwingen nochmals zu der einen oder anderen heiklen Traverse (meist ostseitig); davon abgesehen auch mit
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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