Der Begriff »Liegfeistgruppe« wird für viele Bergfreunde Neuland sein, denn dieses von Lech-, Rotlech- und Namloser Tal eingefasste Revier liegt abseits aller Modeberge, die in den Lechtaler Alpen ohnehin Seltenheitswert besitzen. Mit der Knittelkarspitze gibt es hier einen durchaus respektablen Hauptgipfel, der üblicherweise aus dem verträumten Bergnest Kelmen angegangen wird: eine abgeschiedene Idylle unverfälschter Tiroler Kulturlandschaft. Für die Besteigung muss allerdings einiger Einsatz geleistet werden, gibt es zwar markierte Routen, aber keinen wirklich unschwierigen Weg an unserem Berg. Als Normalroute gilt die ausgeschilderte durchs Steinkar. Der buchstäbliche Höhepunkt an der Knittelkarspitze ist freilich die großartige Gipfelaussicht, die vom Vorland bis in die Zentralalpen reicht.
Von Kelmen, 1365 m, folgt man zuerst einer Forststraße in relativ flachen Kehren an der Waldlehne bergan. Nach einer Weile auf einen Steig wechselnd, geht es phasenweise durch eine Art Schneise bis zur breiten Einsattelung zwischen Kelmer Spitze und Knittelkarmassiv, welches in seinem Ostgrat die Feuchtspitze vorschiebt. Links haltend wird die als Kelmer Jöchl, 1852 m, bezeichnete Stelle erreicht. Vor dem Aufschwung lotst uns der Wegweiser nach rechts an die Schwelle des Steinkars. Man begibt sich aber nicht in die eingesenkte Geröllmulde selbst, sondern hält sich rechts an den Südhang der Hinteren Steinkarspitze und nähert sich der schroffen, diagonal gebänderten Felsflanke, die das Kar abschließt. Der folgende Durchstieg – im Hin und Her über schrofige Stufen und Abhänge (Stellen I) – bedeutet die erste ernsthafte Hürde der Tour. Zwischendurch mündet von rechts der knifflige Reuttener Höhenweg. Man entsteigt dem Steilriegel ins Wetterkreuzjoch, ca. 2240 m, und folgt nun dem gratnahen
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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