Wer abwechslungsreiche Nahkulissen ebenso schätzt wie die gigantische Vogelperspektive über das Inntal bis weit hinein in die Zentralalpen, zudem ein wenig Kraxelei nicht scheut und sich überhaupt sicher in ausgesetzten Schrofen zu bewegen weiß, findet mit dem Freiungen-Höhenweg zweifellos eine der faszinierendsten Touren in Tirol. Es handelt sich um die zumeist kammnah verlaufende Verbindung zwischen Solsteinhaus und Nördlinger Hütte, auf der wir nähere Bekanntschaft mit der Materie »Hauptdolomit« schließen. Mit einer Übernachtung im gut geführten Solsteinhaus halten sich die Anstrengungen im Rahmen.
Der Hüttenweg zum Solsteinhaus, 1806 m, wurde bereits in Kapitel 2 ausführlich beschrieben. Am nächsten Morgen schlagen wir Weg Nr. 212 ein und queren zuerst einige Grashänge und Sandreißen. Dann in Kehren über den großen Schutthang gegen die Eppzirler Scharte empor, bis sich Route Nr. 211 nach links abtrennt. Mit dieser über einen sekundären Sattel und auf Bändern quer durchs Schafängerle. Man geht ein paar tiefe Runsen aus und ersteigt danach einen Steilhang hinauf zu einer Lücke zwischen zwei Köpfen. Jenseits ein paar Meter abwärts und rechts haltend wieder ansteigend in die schrofige Kuhljochscharte, 2171 m. Hier lohnt sich ein Abstecher nach rechts auf die Kuhljochspitze, 2297 m: auf kleinem Schrofenpfad mit Drahtseilhilfe neben einer Felsrippe steil aufwärts und über einige kurze Felsstufen (Stellen I) zum Gipfel.Aus der Scharte setzen wir anschließend den Freiungen-Höhenweg fort. Man bewegt sich zumeist knapp auf der Südseite des Grates der Freiungtürme, quert dabei abschüssige,
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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