Eines der vollkommensten Felstrios der Nördlichen Kalkalpen
Von keiner Stelle besticht die festlich geformte Gipfelgruppierung Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze mehr als von Einödsbach. Viele Namen und Bezeichnungen haben schon versucht, die einzigartige Formgebung der im August 1855 von den Birgsauer Jochum-Brüdern auf den Spuren eines beobachteten Gämsenpaares erstmals bestiegenen Trettach zu verdeutlichen: Allgäuer Matterhorn, aufgereckter Riesenfinger, zuckerhutartiger Kegel … 1895 gelang Josef Enzensberger, dem eifrig-geschickten »Enzian«, zusammen mit seinem Bruder Ernst die erste Winterbegehung dieses kühnen Bergmonarchen.
Überragt von den mit glänzenden, manchmal stiebenden Schneegraten gezierten Kalkriesen gibt die südlichste Dauersiedlung Deutschlands aus dem 16. Jahrhundert eine bezaubernde Touristenidylle ab. Ein wahrhaft vollkommenes Naturgemälde. Wenn allerdings niedergehende Lawinenungeheuer manchmal tagelang den Zufahrtsweg abschneiden, wird für die an die harte Realität gewöhnte Bauernfamilie aus der heilen Welt des Sommers ein unangenehmes Gefängnis. Einödsbach ist im Übrigen die Geburtsstätte des einstmals begehrtesten Allgäu-Führers und Wirtes Baptist Schraudolph, der viele hundert Male seine »Mädeli« besuchte, die bereits im zarten Alter von zehn von ihm erstmals bestiegene Mädelegabel.
Von der Bushaltestelle in Faistenoy durchs Stillachtal nehmen wir den Winterwanderweg parallel zum Anliegersträßchen nach Anatswald , 921 m, der flach über freie Talböden auf die imponierenden Allgäuer Hochalpen zuhält. An einer Verzweigung bummelt man geradeaus zum verträumten Weiler Birgsau, 949 m. Kurz hinter den letzten Häusern teilt sich der Weiterweg. Rechts geht es ins Rappenalpental. Wir folgen dem stets geräumten Sträßchen am Turbinenhaus vorbei Richtung Gasthof Einödsbach, wobei zwei vom Einödsbergegg und vom Spätengundkopf brausende Sturzbäche gequert werden. Jenseits der Stillach, die sich aus den Quellarmen des Rappenalpenbachs und Bacherlochbachs nährt, ragen die Gundköpfe auf. Nach anhaltenden Schneefällen und bei starker Erwärmung ist diese Route ab der Wegteilung möglicherweise nicht begehbar. Die gleichmäßige Steigung durch den Mischwald über der schauerlichen Klammenge des Bachergwänds empor lässt uns nicht groß außer Atem kommen. Zuletzt tritt der Bergwald zurück,
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