Seit ihrer Erschließung 1904/05 kann man in der Breitachklamm eines der größten Naturwunder des Allgäus hautnah erleben. Die enorme Zahl von mehr als 300.000 Besuchern jährlich ist ein klares Indiz dafür, welchen touristischen Stellenwert diese fesselnde Sehenswürdigkeit besitzt. Nach der Würm-Eiszeit vor rund 10.000 Jahren begann der Fluss, sich in den harten Gesteinsuntergrund einzufräsen und schuf damit eine gewundene Felsenenge, die stellenweise nur wenige Meter breit ist und kaum ein Stück vom Himmel durchblicken lässt. Das Wasser gischtet derweil durch tiefe, glattpolierte Kolke, stürzt sich über Kaskaden und sorgt für eine beachtliche Geräuschkulisse in düsterer Umgebung. Tröpfchenschleier rieseln von den Wänden, die sich senkrecht bis zu 100 Meter über unseren Köpfen auftürmen. Nicht umsonst gilt die Breitachklamm als eine der tiefsten und spektakulärsten ihrer Art. Wir binden die knapp zwei Kilometer messende, eigentliche Klammstrecke in eine Wanderung ein, die bereits in Riezlern beginnt und uns damit noch einen längeren Abschnitt des Kleinwalsertaler Flusses nahebringt, unter anderem auch das »Steinmandlufer«.
In Riezlern schlagen wir die Leo-Müller-Straße ein, anschließend den Fellhornweg, mit dem es zur Breitach hinuntergeht (ein Zugang von Außerriezlern kommt zwischenzeitlich dazu). Nachdem die alte Schwendebrücke überschritten ist, wandern wir am linken Breitachufer entlang (Abzweig beachten). Wo die neue, hohe Brücke den Einschnitt überspannt, bildet sich bereits eine Verengung aus – die Trasse klammert sich hier an den begrenzenden Felshang. Nach diesem kleinen Vorgeschmack auf die eigentliche Klamm geht es zunächst eine Weile gewöhnlich weiter. Auf Naturwegen kommen wir mit einigen Kurven zum urigen Waldhaus, 940 m, voran, entfernen uns danach vorübergehend vom Fluss und müssen derweil auch etwas ansteigen. Zurück am Ufer entdecken wir haufenweise Steinmännchen auf den Kiesbänken. Da gerät wohl so mancher in Versuchung, der Sammlung ein persönliches Exemplar hinzuzufügen. Schließlich verengt sich das Tal zu einer veritablen Schlucht. Ein Metallsteg leitet zu einer Brücke, wo
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Autor
Mark Zahel
Mark Zahel hat als fleißiger Wanderer und Bergsteiger bisher mehr als 3000 Tage auf Alpentouren verbracht und schöpft aus dieser Passion seit über 20 Jahren eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen umfasst inzwischen rund 80 Titel – in jüngster Zeit sind auch einige Wanderführer über norddeutsche Regionen hinzugekommen. Seine Kenntnisse reichen über weite Teile des Alpenbogens, besonders häufig aber ist er in dem breiten Streifen zwischen Bayern und Südtirol unterwegs. Zahel vergleicht seine Erkundungen gern mit einem Puzzlespiel, dem immer wieder neue Teile hinzugefügt werden, ohne dass es jemals »vollendet« werden könnte oder sollte. So bleibt die persönliche Entdeckungslust ungebrochen, während sich das »Gesamtbild« nach und nach immer detailreicher herausschärft.

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