Strenger Talschluss mit unverfälschten Bergwassern
Im Winter benützt man die Hindelanger Hornbahn gewöhnlich, um auf einer der drei pfiffigen, teilweise sogar beschneiten Rodelbahnen den frischen Fahrtwind um die Ohren zu spüren. Wir landschaftshungrigen Verehrer der jungfräulichen Schneenatur auf den schwebenden Lochtatzen dagegen wollen nicht schon wieder Richtung Heimat steuern. Uns lockt vielmehr die geheimnisvolle Gegenrichtung, der wildromantische Talschluss des Retterschwangs mit dem unverfälschten, mehrarmigen Lauf der kraftvollen Bsonderach. Im Hochwinter ist dieser mitreißende Gebirgswinkel mit seinem strengen Charakter von der Sonne ziemlich im Stich gelassen. Wie am Ende der Welt kommt man sich unter den riesenhaften Bergleibern vor, die sich da vom Daumenmassiv zum Nebelhorn hin zu einer unerklimmbaren Bastion zusammengeschlossen haben.
Man passiert auf dieser Route die Rinne Seilers-Gern, einen beachtlichen Bergsturz. Die Bsonderach hatte wohl eine Zeit lang ihre Not mit der hinderlichen Blockhalde, ehe sie sich mit unerschütterlichem Willen ein neues Bett durch den Felsverhau fressen konnte. Der durch die Naturkatastrophe entstandene und höchstwahrscheinlich recht idyllische Bergsee musste mit der neu entstandenen Klamm leider sein Leben wieder aushauchen.
Die fürchterlichen Stürme Wiebke und Vivian schmetterten in diesem Talbereich 1990 innerhalb weniger Minuten Tausende Stämme der früheren Fichten-Reinbestände um. In den Folgejahren hatte es der Borkenkäfer leicht, einen Großteil des Restwuchses zu vernichten. Die Kahlflächen wurden nach den zeit- und kostenaufwändigen Holzarbeiten mit einem stabilen Mischwald aus Fichte, Tanne, Buche und Ahorn aufgeforstet.
Vom Kurhaus in Bad Hindelang geht es in 15 Minuten zur Talstation der Hornbahn . Den Aufstieg zum Bergasthaus Zum Oberen Horn, 1320 m, erspart uns die Gondel. Da die Rodelbahnen ab der Bergstation für Fußgänger generell wegen Verletzungsgefahr gesperrt sind, legen wir mit unseren Schneeschuhen von vornherein einen eigenen Weg an. Erfreulicherweise sind wir ja auf keine Kunsttrassen angewiesen. Unterhalb der östlichen Schlittenabfahrt umgehen wir in einer aussichtsreichen Linksschleife den freien Steilhang zur bereits sichtbaren Hornalp, 1222 m. Kurz danach quert man achtsam die sich verzweigende Abfahrt und spurt Richtung Café Horn rechts der gewalzten Bahn durch einen Waldstreifen und über eine kleine Lichtung. Auch an der Engstelle im folgenden Waldstück hat man sich neben der Bahn zu halten, der Platz reicht gerade so aus. Die Kufenflitzer kommen hier mit einem hohen Tempo angeschossen. Anschließend steht über eine weitere Lichtung wieder genügend Raum für beide Interessengruppen
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