Der Tag beginnt so wunderbar aussichtsreich, wie der gestrige geendet hat. Bis zum Crespeina-Joch sollten wir die Bergruhe noch genießen. Denn das Cir-Joch ist auch bei meist italienischen Halbtageswanderern für seinen wunderbaren Ausblick auf Sella und Co. bekannt. Ansteckend fröhlich verständigen sie sich lauthals. Den Höhepunkt in Sachen Touristenrummel erreichen wir dann am Grödner Joch – hupende Autos, heulende Motorräder, Souvenirläden und Wohnburgen – kurz: Aus der Ferne ist der Pass am schönsten. Deshalb wenden wir uns dem Sella-Stock zu, in dessen Flanken sich imposante Schluchten eingekerbt haben. Durch das Val Setus steigen wir über ein steiles Geröllfeld und einen versicherten Steig (leichter als der an der Nives-Scharte) zum Rifugio Pisciadù auf. Am Ufer des hiesigen Sees tummelt sich ein ähnlich buntes Völkchen wie am Cir-Joch. Nur haben die meisten hier noch ein Klettersteigset im Rucksack.
Am Höhepunkt unserer Alpenüberquerung, auf 2962 Metern, wird die Mächtigkeit des Sella-Stockes begreifbar: Bei einer Ausdehnung von rund zwölf Quadratkilometern erinnert er in Sachen Kargheit und Beschaffenheit wohl am ehesten an den weit entfernten Mond. Mitten im Nichts der Hochebene liegt das gastliche Rifugio Boè. Und spätestens wenn die vielen Tagesgäste ihren Heimweg zum Pordoi Pass antreten, sind wir wieder allein unter Wanderern in dieser unglaublichen Szenerie. Wer noch Zeit, Kraft und eine Reservierung hat, sollte im Rifugio Capanna Piz Fassa übernachten. Nirgends sind Sonnenauf- und -untergang in den Dolomiten so wunderschön wie dort oben.
Variante: Aufstieg zum Piz Boè mit dem Rifugio Capanna Piz Fassa Für den Aufstieg zum Piz Boè mit dem Rifugio Capanna Piz Fassa müssen etwa 50 Min. eingeplant werden. Von dort sind es bis zur Forcella Pordoi etwa 45 Min. Der »Umweg« über den »leichtesten 3000er der Dolomiten« und den höchsten Gipfel der Sella-Gruppe beträgt also kaum eine Stunde und lohnt sich bei guter Sicht in jedem Fall. Dafür verlassen wir das Rifugio Boè auf Weg 638 Richtung Südosten. Nach 20 Min. gabelt sich der Weg: Rechts (W) geht es für uns ein kurzes Stück auf stahlseilversichertem Steig weiter, der Steig links (O) ist Absteigenden vorbehalten. Über einen schottrigen Steig steigen wir zur Forcella dai Ciamorces auf und wir erreichen innerhalb einiger Minuten den Gipfel des Piz Boè, 3152 m, mit den Rifugio Capanna Piz Fassa, 3152 m, in der stilecht auf den (ersten) 3000er angestoßen und übernachtet werden kann. Der Rundumblick ist überwältigend: Richtung Süden sehen wir den grünen Lärchengrat hinter dessen
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