Seetal Express: Eckwand & Latschur
Gelegenheit macht Diebe!
Das Seetal ist bekannt für leichte bis mittelschwere Skitouren, neuerdings befindet sich dort auch der attraktive Spielplatz ambitionierter Ski-Bergsteiger - dieses einsame Kleinod hat einiges an wahren Gustostückerln zu bieten!
Die verwegene Rundtour beginnt am Parkplatz Seetal, zuerst wird über die Gusenalm in den Gusengraben abgefahren. Von dort aus, über die Siflitzeralm, steil und direkt zur grimmigen Nordseite der Eckwand.
Die erste Schlüsselstelle eröffnet sich gleich zu Beginn, hier gilt es, die 30m hohe Steilstufe in Fels und Eis zu überwinden - je nach aktuellen Bedingungen zeigen sich Schwierigkeiten im Bereich von III+/WI2-3/M2-3, es muss zwingend - mit mobilen Sicherungsmitteln - abgesichert werden!
Mit dem Durchstieg dieser fordernden Seillänge ist gleichzeitig das Ticket - für den Eintritt in eine neuartige Welt - gelöst! Die ungefähr 250m lange Nordrinne erwartet - die seltenen Gäste - mit einer kontinuierlichen Steilheit von 45° - 50°, dazwischen gilt es noch zwei Steilstufen mit 60° zu überwinden...
Schlussendlich mündet das imponierende Couloir in der steilen Nordflanke der Eckwand, die letzten Meter können wieder mit angeschnallten Ski bewältigt werden.
Nun folgt die erste anregende Abfahrt, zuerst durch die eben erwähnte Flanke hinab, dann durch eine sehr steile Rinne (>45°), bis in den Talboden!
Dort wird abermals angefellt, die Besteigung des Latschur ist - im mittelschweren Terrain- in einer Stunde erledigt!
Die folgende, zweite Abfahrt lässt den Puls - beim Einfahren in die steile Nordflanke - ordentlich in die Höhe schnellen! Nach einigen eleganten Schwüngen wird die Schlüsselpassage dieses Downhills erreicht: die Abseilstelle vor dem engen Flaschenhals!
Der Stand, mit zwei gebohrten Bolts plus Abseilring, befindet sich - geschützt und unübersehbar - im Abfahrtssinne auf der linken Seite, an einem markanten Felssporn!
Hier reicht ein 30m langes Seil, um durch die abschüssige Engstelle zu gleiten - danach können die Ski wieder angeschnallt werden.
Es folgt sogleich die nächste Engstelle, diese kann allerdings - bei kompakter Schneelage - gerade noch durchgerutscht werden.
Nach erfolgreicher Passage dieser Stelle eröffnet sich perfektes Skigelände mit etwas über 40° Steilheit und lässt sogleich einen Hauch Dolomitenfeeling aufkeimen!
Die Granitzer-Rinne läuft in die Nordflanke aus, diese bietet mit rund 35° noch viel Spaß im aufgefirnten Gelände...
Die weitere Abfahrt führt durch lichten Wald, bis der bekannte Weg in Höhe der Siflitzeralmen erreicht wird. Dieser führt wiederum in den Gusengraben, hier müssen die Ski das letzte Mal befellt werden!
Der Gegenanstieg über die Gusenalm und die Kapelleralm zieht sich ein wenig und fordert die letzten Körner - zu guter Letzt wird der Ausgangspunkt im Seetal erreicht.
Am Ende dieses bombastischen Tourentages ist der Serotoninspiegel in extreme Höhen angestiegen, die imposanten Eindrücke werden noch lange nachwirken!
Autorentipp
Abgeleitet aus der technischen Schwierigkeit und der Fitnessanforderung.
Wegearten
Sicherheitshinweise
Die Durchführung dieser grandiosen Überschreitung erfordert unbedingt stabile und günstige Bedingungen, die Schneesituation sollte im Vorfeld gut recherchiert werden!
Die erste Seillänge, in der Eckwand Nordrinne wartet - je nach Bedingungen - mit Schwierigkeiten III+/WI2-3/M2-3, dies sollte in der Tourenplanung berücksichtigt werden! Zu Bedenken ist auch, dass das Klettern mit Skischuhen und geschulterten Ski doch etwas anstrengender ist, außerdem muss diese Passage selber abgesichert werden!
Auch der weitere Anstieg stellt hohe Ansprüche an die Aspiranten - durchschnittliche Steilheit 45°-50°, garniert mit zwei kurzen Steilstufen bis 60° (auch hier eventuell WI2 & M2)!
Die Abfahrt durch die steile Nordflanke des Latschur empfiehlt sich nur für trainierte Skifahrer*innen, durch den engen Flaschenhals muss zwingend abgeseilt werden, ein professioneller Abseilstand ist vorhanden. Wiederholer benötigen hier ein mindestens 30m langes Halbseil und einen 17er Maulschlüssel zum Nachziehen der Bolts, falls diese sich im Laufe der Zeit lockern sollten... Eventuell sollte auch eine neue Reepschnur mitgenommen werden, um die Verbindung zwischen den Bolts zu erneuern!
Die folgende Engstelle kann bei guter Schneelage durchrutscht werden, ansonsten ist hier kurzes Abklettern erforderlich!
Bei günstigen Verhältnissen ergibt sich in diesem Terrain gut kalkulierbares und überschaubares Gefahrenpotential - dann ist auch die Befahrung der Granitzer-Nordrinne ein genussvolles und relativ sicheres Unternehmen...
Weitere Infos und Links
Die Erstbegehung der Latschur-Nordrinne im Aufstieg, erfolgte im Jänner 2020 und geht auf das Konto von Bergführer Hubert Granitzer - sein Sohn Florian, war damals Seilpartner und Fotograf - siehe: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/latschur-nordrinne-eckwand-hubert-granitzer-gedenk-rundtour/804299429/
Nach vollendeter Arbeit, lohnt sich ein Besuch in der bestens geführten Wieserhütte allemal!
Wegbeschreibung
Anfahrt
Von Villach: auf A10 Richtung Spittal, Abfahrt Feistritz/Drau, weiter nach Zlan.
Von Norden: A10 Abfahrt Spittal Ost. Weiter bis nach Zlan.
Über die - im Winter mautfreie - Goldeck Panoramastraße direkt bis zum Ausgangspunkt der Skitour, beim großen Parkplatz im Seetal.
Koordinaten
Ausrüstung
Normale Skitourenausrüstung plus Pieps, Schaufel und Sonde. Harscheisen sind obligatorisch!
Stabile Steigeisen und zwei Eisgeräte für die spannende Durchsteigung der Eckwand-Nordrinne mit insgesamt drei Steilstufen!
Mindestens 30m Halbseil, mobile Sicherungsmittel 0.3 - 3, fünf verlängerbare Expressschlingen und eine Standschlinge sind die Basisausrüstung für die erste, schwierige Seillänge!
17er Maulschlüssel zum Nachziehen der Bolts am Abseilstand, Abseilgerät und Kurzprusik zum Abseilen!
Abgeleitet aus der technischen Schwierigkeit und der Fitnessanforderung.

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