Die Tour du Ciel ist etwas kürzer, aber dafür anspruchsvoller als die benachbarte Haute Route.
Sowohl Start als auch Ziel befinden sich im Mattertal, was die Logistik recht einfach macht.
Das Panorama während der Tour ist atemberaubend, zahlreiche reizvolle Nordhänge warten auf die ersten Abfahrtsspuren und die Schwierigkeiten sind bei vernüftigen Bedingungen noch im moderaten Bereich - allerdings sollte man schwindelfrei sein, denn der ausgesetzte Arête du Blanc ist kein Katzensprung.
Der Zeitansatz ist variabel, auch abhängig von den "Schlenkern" während der Tour, da mehrere interessante Gipfelziele vorhanden sind.
Autorentipp
Abgeleitet aus der technischen Schwierigkeit und der Fitnessanforderung.
Wegearten
Einkehrmöglichkeiten
SchönbielhütteRestaurant Jungerstübli.
Bergrestaurant Jungeralp
Sicherheitshinweise
Die Schwierigkeiten der Tour sind stark abhängig von den aktuellen Schneeverhältnissen, Spaltensituation und natürlich der Wetterlage und müssen stets individuell bewertet werden.Weitere Infos und Links
Änderungsbedarf oder Hinweise gerne an mich persönlich:
till.hauptmann@alpenverein-straubing.de
Interessante Videos zur Tour:
- Bergauf/bergab (2023): https://www.youtube.com/watch?v=qUHZPTnvDEo&t
- Ulrich Schwarzenberger (2026): https://www.youtube.com/watch?v=jGK1-dAlqf4
Wegbeschreibung
Abhängig vom Startzeitpunkt ist zu entscheiden, ob die erste Etappe "nur" von Zermatt zur Schönbielhütte (2.695) führt oder gleich ins Volle geht und bis zur Cab. du Mountet durchzieht. In beiden Fällen hat man die Wahl zwischen Bahnunterstützung bis Schwarzsee (ca. 900 Hm, 33 CHF) und lockerer Abfahrt nach Westen Richtung Zmuttgletscher bis zur Moräne bei 2.200 (ca. 3-4 Stunden bis zur Schönbielhütte) oder dem langen "by fair means"-Zustieg ab Zermatt entlang des GPS-Tracks (5-6 Stunden).
Von der Schönbielhütte (2.695) gehts es zunächst 250 Hm östlich bergab (morgens meist eisig und ruppig) bis zum Fuß der abweisend wirkenden Wand zum Hohwänggletscher. Der Aufstieg gestaltet sich aber überraschend einfach, führt über moderat steile Rampen und umgeht geschickt eisbruchgefährdete Bereiche. Am Hohwänggletscher (3.100) wird das Gelände flacher und führt auf das Col. Durand (3.440) zu.
Ambitionierte Alpinisten werden allerdings zuvor das Arbenhorn/Mont Durand (3.712) ins Visir nehmen und sich ein erstes Gipfelerlebnis gönnen: I.d.R. wird am Beginn des Felsgrats ein Skidepot gemacht und die verbleibenden 150 Hm zu Fuß zurückgelegt. Der Vorgipfel ist unschwierig zu erreichen, das "richtige" Arbenhorn ist über einen kurzen, aber ausgesetzten Gipfelaufbau zu erreichen (20 Meter, UIAA II) und bietet sehr wenig Platz. Der Anblick des Arbengrates (das Arbenbiwak liegt in der rechten Wand) und des Obergabelhorns sind beeindruckend.
Vom Skidepot aus kann man bei sehr guten Verhältnissen vor dem dominaten Felsriegel nach Nordwesten abfahren. Ansonsten in leichter Abfahrt und einigen zähen Metern im Gegenanstieg zum Col Durand (3.440) und von dort hinab auf den Glacier Durand bis etwa 2.750. Abschließend warten noch gut 100 Hm Aufstieg zur Cab. du Mountet (2.886).
Die kommende Etappe bietet mit dem langen und ausgesetzten Grat Arête du Blanc zum Blanc de Moming ein Highlight der Tour. Zunächst sind etwa 900 Hm über den Glacier du Mountet bis zum Grat-Einstieg bei 3.750 zurückzulegen. Nach rechts (bergauf) könnte man die L'Epaule du Rothorn besteigen und über den Nordgrat auf das Zinalrothorn kraxeln, wir halten uns jedoch links (leicht bergab), legen die Steigeisen an und begehen den wunderschönen Grat. Für geneigte Geister ein Hochgenuss, für ängstliche eher ein Graus. Beidseitig fällt er stets steil ab, Eisabbrüche und tiefe Spalten wirken bedrohlich und mahnen zur anhaltenden Konzentration. Einige Felspassagen mit leichter Kletterei sind i.d.R. problemlos zu überwinden und nach 30-45 Minuten ist der westliche Ausläufer des Grates erreicht. Der Vollständigkeit halber kann man noch wenige Meter zum Dôme (3.650) oder ein Stück weiter mit leichter Kletterei auf den Blanc de Moming (3.661) steigen und rückblickend den scharfen Grat bewundern.
Bei der kommenden Abfahrt ist Spürsinn für guten Schnee gefragt, oft bieten die nordseitigen Flanken feinen Pulver. Bei 2.580 wird wieder aufgefellt und kurz darauf die gemütliche und sehr gastfreundlich geführte Cabane Arpitettaz (2.788) erreicht. Leider ist sie sehr klein und Übernachtungsplätze sind nur schwer zu ergattern - für eine ausgiebige Pause liegt sie jedoch perfekt und im Gegensatz zur Cab. Tracuit meist windstill.
Eine kurze Kletterpassage erwartet uns wenig später beim Crête de Milon (3.215), die untere Hälfte ist meist mit Ski machbar, oben hilft die Seilversicherung beim Überwinden einer felsigen Kletterstelle. Anschließend wird nochmals 500 Hm Richtung Norden abgefahren, bevor diese Höhenmeter wieder erarbeitet werden wollen. Der finale Anstieg zum Col de Tracuit [sprich: Traküi] kann sich als zäh erweisen, final ist erneut eine kettenversicherte Passage zu erklettern. Aus dem Col ist nach wenigen Metern die große und sehr professionell bewirtschaftete Tracuit-Hütte (3.256) erreicht.
Das nahegelegene Bishorn (4.151) ist technisch unschwierig, der Anstieg kann jedoch eisig sein. In angenehmer Steigung sind die 900 Hm in 2-3 Stunden zu bewältigen. Bei guten Verhältnissen gelangt man mit den Ski bis zum Gipfel, ansonsten Skidepot wenige Meter unterhalb.
Der Ausblick ist atemberaubend: unmittelbar am Nordgrat zum Weißhorn, rechts die imposanten Begleiter der Vortage (Zinalrothorn, Obergabelhorn, Dent Blanche, Grand Cournier, Besso), auf der linken Seite die Walliser Prominenz (Nadelgrat, Dom, Täschhorn, Alphubel bis hinüber zur Monte Rosa mit Dufurspitze).
Auf dem gleichen Weg zurück, an der Tracuit-Hütte vorbei, fahren wir den Turtmann-Gletscher bis 2.780 ab. Hier ein kurzer Gegenanstieg (etwa 200 Hm), bevor man nach links Richtung Nord/Nordwest Richtung Turtmanntal abbiegt.
Geneigte Höhenmetersammler gehen jedoch zunächst geradeaus über den langen Brunegg-Gletscher und peilen das formschöne Brunegghorn (3.831) an. Abhängig von den Bedingungen kann der Gipfel mit Ski erreicht werden, meist jedoch zu Fuß (Skidepot bei etwa 3.700). Im Gegensatz zum recht frequentierten Bishorn ist man hier meist alleine und kann das berauschende Panorama nochmals in Ruhe aufsaugen (dieser Abstecher ist im GPS-Track nicht enthalten, die Wegfindung ist jedoch selbsterklärend).
Zur Turtmannhütte folgt man den geneigten Hängen Richtung Nordwest. Die als Variante in manchen Karten enthaltene "Gässi" ist m. E. wenig empfehlenswert: eine sehr steile, kaum fahrbare Rinne, die den Gegenanstieg zur Hütte letztlich um wenige Höhenmeter verkürzt. Die westlichere Route (gem. GPS-Track) bietet schönere Abfahrten und knapp 100 Hm Aufstieg zur Turtmannhütte (2.519).
Die Hütte ist einfach, aber gut geführt und hat eine hervorragende Küche.
Der letzte Tag führt in sanfter Steigung nach Südosten, schließlich steil empor zur Pipjilicke (3.049). Während des steilen Anstieges ins Joch mit zahlreichen Spitzkehren oder geschulterten Ski kann man sich in Ruhe Gedanken über die Herkunft des Namens machen. Nun 150 Hm hinab, dann erneut hinauf auf einen Rücken und weiter auf das Jungtaljoch (3.220). Für diesen letzten obligatorischen Anstieg sind die Ski nochmals zu schultern und auch der Helm sollte sitzen (viel loses Gestein oberhalb). Gegenüber sind einige Meter am Fixseil abzuklettern, bevor über ein letztes Gipfelziel zu entscheiden ist: Richtung Osten kann man sich auf dem Wasuhorn (3.341) die letzten Gipfelimpressionen gönnen.
Anschließend folgt die lange Abfahrt ins Jungtal. Je nach Schneelage werden früher oder später die Ski geschultert und das kleine Bergdorf Jungenalp zu Fuß erreicht.
Die private Seilbahn Jungenbahn fährt mehrmals täglich, Fahrplan und akt. Infos auf www.jungeralp.ch/jungenbahn, Tel. +41 (0) 27 956 22 80. Infos auch beim Wirt der Turtmannhütte. Für 16 CHF p.P. erreicht man schließlich St. Niklaus, unweit des Bahnhofs.
Schönbielhütte
Arbenhorn
Mountethütte
Dôme
Arpitettazhütte
Tracuithütte
Bishorn
Turtmannhütte
Inner Rothorn
Aussichtspunkt Jungen Alp
Restaurant Jungerstübli.
Feuerstelle Jungen
Luftseilbahn St. Niklaus - Jungen
Bergrestaurant Jungeralp
Luftseilbahn St. Niklaus – Jungen.
Öffentliche Verkehrsmittel
mit Bahn und Bus erreichbar
Sowohl Zermatt als auch St. Niklaus sind durch die Mattertal-Bahn gut erreichbar.Anfahrt
Mit dem Zug nach Zermatt.Parken
Geparkt wird am besten zwischen Visp und Randa in der Nähe eines Bahnhofs, am bequemsten direkt in St. Niklaus.Täsch ist natürlich auch möglich, aber am teuersten.
Koordinaten
Ausrüstung
Komplette HochtourenausrüstungAbgeleitet aus der technischen Schwierigkeit und der Fitnessanforderung.

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