Die Region Tarragona im südlichen Katalonien gestaltet sich mit der Costa Daurada, dem Ebrodelta und dem stillen Hinterland mit seinen Gebirgszügen und Weinfeldern sehr abwechslungsreich. Neben eindrucksvollen Naturgebieten, in denen sich sowohl Ruhesuchende als auch Aktivsportler wohlfühlen, gibt es auch für Kulturliebhaber ein vielfältiges Angebot: Tarragona blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück, die von den Römern über das Mittelalter bis heute ihre Spuren hinterlassen hat.
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Highlights
Der Stausee von Siurana liegt direkt unterhalb des Felsplateaus.
Die Festungsruine im mittelalterlichen Dorf Siurana
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Zwischen Goldener Küste, Weinreben und schroffen Gebirgen
Die Landschaft Tarragonas ist vielseitig - dabei findet sich für jeden Geschmack etwas. Strandurlaub ist hier genauso möglich wie Wanderungen vor einer traumhaften Kulisse.
Die Costa Daurada, die „Goldene Küste“, schließt sich an die Costa Barcelona an und erstreckt sich bis zum Ebrodelta im Süden Kataloniens. Feinsandige, goldschimmernde Strände über etwa 100 km Länge sorgen für ein perfektes Stranderlebnis. Zahlreiche Wassersportaktivitäten können an der Mittelmeerküste ausgeübt werden, aber auch ein entspannter Spaziergang im Sand oder ein gemütliches Sonnenbad sind möglich.
Das stille Hinterland der Costa Daurada zeigt sich hingegen ganz anders. Gebirgszüge wie Montsant, Muntanyes de Prades und la Mussara grenzen das mit Oliven, Mandeln, Getreide und Wein bebaute Gebiet ein. Das Naturschutzgebiet Muntanyes de Prades zeichnet sich zudem durch eine große biologische Vielfalt aus. Geprägt werden die unterschiedlichen Landschaften von den Flüssen Brugent und Glorieta. Uralte Wälder, faszinierende Kalksteinformationen, tosende Wasserfälle und verwunschene Höhlen laden dazu ein, die Gegend in Ruhe zu erkunden.
Im Hinterland der Costa Daurada liegt auch das Weingebiet Priorat am Fuße des Montsant-Gebirges. Die Wurzeln der Weinkultur finden ihren Ausgangspunkt in der Kartause Escaladei und der Weinbau prägt die Landschaft hier wie in kaum einer anderen Region. Die Weinbauern mussten der zerklüfteten Gebirgslandschaft Meter um Meter der geschwungenen Weinterrassen in harter Arbeit abringen – maschinelle Arbeitserleichterungen können hier kaum eingesetzt werden.
Foto: Agència Catalana de Turisme
Im Ebrodelta findet sich meist unberührte Natur – die Landschaft ist in weiten Teilen als Biosphärengebiet geschützt. Mit dem Naturpark Els Ports, den Gebirgsketten von Montsià, Pàndols, Cavalls und Cardó sowie mehreren Feuchtbiotopen, kleinen Buchten und weiten Stränden finden Naturfreunde im Ebrodelta eine abwechslungsreiche Natur zum Erkunden vor. Geprägt ist das Gebiet vom Spanischen Bürgerkrieg, der mit der bekannten Schlacht am Ebro deutliche Spuren in der Region hinterließ, die heute vor allem durch Reisanbau bestimmt wird.
Das Gebirge Els Ports im gleichnamigen Naturpark zeichnet sich mit seinen bizarren Felsformationen besonders deutlich von der weiten, ebenen Fläche des Deltas ab. Vom höchsten Punkt, dem Monte Caro, erblickt man an klaren Tagen die Pyrenäen und Balearen. Zahlreiche Höhlen, Strömungen und Schluchten durchziehen das Bergmassiv und locken Wanderer und (Hobby-)Höhlenforscher an. Kunstliebhaber werden wissen, dass der junge Picasso hier einige Zeit verbrachte und in seinem Malstil maßgeblich von der Natur beeinflusst wurde.
Von den Römern über das Mittelalter bis zur Moderne
Die Römerzeit
Die Stadt Tarragona ist die römischste aller katalanischen Städte und galt in vergangenen Zeiten als das „Rom der Iberischen Halbinsel“. Die früher Tarraco genannte Stadt direkt am Mittelmeer ist heute UNESCO-Welterbe-Stadt. Mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten römischen Ursprungs wie den alten Mauern, dem Theater, dem Zirkus, dem Preotorio-Turm, der paläochristlichen Nekropolis und dem Forum ist sie Anziehungspunkt für Geschichts- und Kulturinteressierte. Besonders sehenswert ist das römische Amphitheater, das im 2. Jahrhundert errichtet wurde und Schauplatz von Gladiatorenkämpfen, Tierjagden, athletischen Wettkämpfen, öffentlichen Hinrichtungen und anderen Spektakeln war. Die Festivals Tarraco Viva und Història Viva erwecken die römische Geschichte wieder zum Leben.
Das Mittelalter
Auf einem mächtigen Kalksteinfelsen in 737 m Höhe über dem gleichnamigen Fluss thront die letzte Festung der Mauren in Katalonien: Siurana. Die exponierte Lage machte die Burg jahrhundertelang zu einer unbezwingbaren Festung. Im Jahr 1153 fiel die Festung dann aber doch. Heute findet sich hier ein friedliches Dorf mit atemberaubendem Ausblick auf das unterhalb gelegene Tal mit dem Fluss und das Hinterland der Region Tarragona.
Foto: Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona – Terres de l'Ebre
Die Burg Miravet steht auf den Resten einer Iberersiedlung aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Der Ursprung der heutigen Burg geht jedoch auf die Mauren aus Al-Andalus im 11. Jahrhundert zurück. Auf einem Hügel am Ebro gelegen mit weitem Blick über das Land und den mächtigen Fluss, war die Festung im Laufe der Zeit sehr begehrt und wurde von verschiedenen Herren geführt, die den Bau erweiterten, verstärkten und modernisierten. Zwischen den Jahren 1153 und 1307 erhielt Miravet die entscheidende Prägung unter der Herrschaft der Templer: Bis heute gilt sie als beeindruckendste Templerfestung in Katalonien.
Ein weiteres beeindruckendes Bauwerk des Mittelalters ist die Kartause von Escaladei. Der Ort wurde den Kartäusern 1194 überlassen, um die Ländereien wieder zu besiedeln und wurde dadurch zum ersten Kloster des Ordens Sant Bru auf der Iberischen Halbinsel. Gestaltet im Stil der Übergangszeit von Romantik zu Gotik erhielt das Kloster vom 16. bis 18. Jahrhundert einen Hauch von Klassizismus und Barock, ehe es 1835 verlassen wurde. Vor allem durch den Weinbau der Mönche kam es zu einem starken Wachstum der Kultur und Landwirtschaft in der Region. Heute kann man auf dem Gelände spazieren gehen und die Überreste der Kirche und des Hauptkreuzgangs sowie der neu errichteten Klosterzellen besichtigen.
Moderne
In der Stadt Reus findet man Spuren der jüngeren Vergangenheit. Etwa 80 beeindruckende Bauwerke des Modernismus können hier bewundert werden. Einige davon werden auf der Modernisme-Route erschlossen. Bekannte Architekten wie Domènech i Montaner, Pere Casalles und Joan Rubió i Bellver haben sich mit ihren Gebäuden in Reus verewigt. Der bekannteste Sohn der Stadt hat jedoch nichts hinterlassen: Antoni Gaudí. Der katalanische Architekt, der Barcelona prägt wie niemand sonst, findet sich in Reus nur im Gaudí Center, einem Interpretationszentrum, das ihn hier seit 2007 ehrt.
Wer sich genauer umsieht, kann auch die Geschichte des Wermuts in Reus verfolgen. Im 18. Jahrhundert war die Stadt eines der bedeutendsten Zentren der europäischen Schnapsproduktion und wurde im folgenden Jahrhundert zum führenden Produzenten des Wermuts. Dieser ist in Reus nicht nur ein Getränk, sondern ein Lebensstil. Im Museum des Wermuts und auf der Route des Wermuts kann man diese gastronomische Tradition näher kennenlernen.
Aktivurlaub in Tarragona
In der abwechslungsreichen Naturlandschaft Tarragonas sind natürlich auch jede Menge Outdoor-Sportler unterwegs. Von einem gemütlichen Strandspaziergang oder einer geführten kulinarischen Wanderung durch die ausgedehnten Weinreben und Olivenhaine bis zu anspruchsvollen Touren in den Gebirgen Montsant, Muntanyes de Prades und la Mussara ist für jeden etwas dabei. Der Fernwanderweg GR99, insgesamt 1150 km lang, zieht sich auf drei Etappen durch das Ebrodelta.
Die Region Tarragona ist außerdem bei Radfahrern sehr beliebt. Ein gut ausgebautes Netz an Rennradstrecken führt von der Küstenlinie ins Landesinnere und in die Gebirgslandschaft. Unterwegs kann man historische Städte wie Tarragona, Reus oder Tortosa besuchen oder sich ganz den kräftezehrenden steilen Anstiegen hingeben.



