Stift St. Georgen am Längsee
Das ehemalige Benediktinerinnenkloster St. Georgen am Längsee wurde zwischen 1002 und 1008 von Gräfin Wichburg, der Gattin des Grafen Ottwin von Sonnenburg (Pustertal), gegründet und 1023 von Erzbischof Hartwig von Salzburg geweiht. Das Stift gilt als älteste gesicherte Klostergründung Kärntens.
1122 wurde das Kloster dem Erzbistum Salzburg unterstellt. Da nur Adelsangehörige ins Kloster aufgenommen wurden, wuchs das Klostervermögen zunächst rasch an. Mitte des 12. Jhs. waren Neubauten erforderlich. 1259 wurde das Stift in einem Krieg geplündert, ebenso 1473 in den Türkenkriegen.
In der Gegenreformation wurde die Zahl der Schwestern im Kloster wieder erhöht und 1654 begann man damit, die Anlage durch den Baumeister Pietro Francesco Carlone in barockem Stil umzugestalten und wesentlich zu vergrößern. 1720 wurden die Barockbauten um eine Etage aufgestockt und die Kirche barockisiert.
1783 wurde das Kloster durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und zunächst vom Religionsfonds verwaltet. Bei der Versteigerung 1788 erhielt der Gewerke Maximilian Thaddäus von Egger den Zuschlag und begründete den Stiftskomplex zum neuen Stammsitz der Grafen von Egger, in deren Besitz die Anlage bis 1884 blieb. Das Innere wurde schlossartig ausgestattet, ein englischer Garten mit Orangerie angelegt. In den 1880-er Jahren richtete man ein Hotel mit über 70 Betten ein.
1909 erwarb Gustav Sichl das Schloss, das 1935 von den Mariannhiller Missionaren gekauft und ab 1938 auch Standort eines Priesterseminars der Diözese Gurk wurde. 1940 wurde das Stift beschlagnahmt und dem Reichsgau Kärnten zugewiesen; bis 1942 blieb das Priesterseminar im Kloster. Der Bibliotheksbestand von 10.000 Bänden musste an die Öffentliche Studienbibliothek Klagenfurt abgeliefert werden, wurde aber nach Kriegsende restituiert. 1943 kaufte die Organisation Todt das Stift vom Land Kärnten und nutzte es als Lazarett. Nach Kriegsende wurde von den Engländern eine Lungenheilanstalt für Displaced Persons eingerichtet.
1948 erhielten die Mariannhiller Missionare das Gebäude wieder zurück. Seit 1959 ist es im Besitz des Bistums Gurk, das dort heute ein Bildungshaus mit angeschlossenem Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb führt.
Beim Klostergebäude handelt es sich um eine 4-seitige großteils barocke Anlage um einen durch das Kirchengebäude unterteilten Innenhof. Im Stiftsbereich finden sich zahlreiche römerzeitliche Inschriften und Reliefdenkmäler aus dem Gebiet von Virunum.
Pfarr- und ehemalige Stiftskirche hl. Georg
Die ehemalige Stiftskirche ist ein gotischer Bau des 14. Jhs. über einem romanischen Vorgängerbau mit eingezogener polygonaler Apsis. Neben einem romanischen Portal an der Nordseite besitzt die Kirche ein bemerkenswertes spätgotisches, ehemals zu einem Kreuzgang führendes Kielbogen-Portal mit Fialen und Krabben an der Südseite. In der Barockzeit wurde der Turm errichtet, das Kircheninnere umgestaltet, und ein zweigeschoßiger Laubengang an die Südseite der Kirche angebaut. Das Kirchendach wurde 1996 mit Steinplattln neu gedeckt. Unter dem Chor der Kirche befindet sich die Krypta aus dem 14. Jahrhundert. Die Westfassade der Kirche befindet sich im Verband mit dem Stiftskomplex.
Der reich geschmückte barocke Hochaltar (E. 17. Jh.), in gesamter Höhe und Breite des Altarraumes, zeigt im Zentrum eine Darstellung des hl. Georg, flankiert von Statuen der hll. Benedikt links und Scholastika rechts. Außen stehen die hll. Placidus und Maurus, Schüler Benedikts. Über dem Altarbild befindet sich eine figürliche Darstellung von Maria mit dem Jesuskind im Strahlenkranz. Im Obergeschoß des Ädikula-Altars stehen die Figuren der hll. Katharina und Florian links sowie Johannes Nepomuk und Barbara rechts. Das Aufsatzbild zeigt die hll. Martin und Nikolaus. Die Statuen stammen vom Klagenfurter Künstler Marx Anton Claus.
Die vier Seitenaltäre wollen thematisch die hl. Familie vorstellen und von der Kindheit zur Vollendung im vorderen Altarbereich führen. Der Dreikönigsaltar rechts hinten zeigt die Anbetung des Christuskindes durch die Heiligen Drei Könige. Darüber befindet sich die Figur des hl. Josef. Der gegenüberliegende Annaaltar zeigt Anna, Maria und das Jesuskind, oben steht der hl. Antonius von Padua. Die beiden Seitenaltäre wurden von Johann Marcel Senger 1706/07 gefasst.
Der vordere linke Dreifaltigkeitsaltar zeigt den gekreuzigten Christus über der Erdkugel mit Schlange von Gottvater gehalten, Maria und Johannes stehen anbetend daneben, darüber der Hl. Geist in der Gestalt der Taube im Wolkenkranz. Dieser Seitenaltar ist mit einer schönen Akanthusrahmung gefasst. Der gegenüberliegende Immaculataaltar zeigt Maria Immaculata mit den Eltern Anna und Joachim. Diese beiden Altäre entstanden etwas später, nämlich um 1715/20.
In der Kirche befindet sich links vom Südportal der Grabstein der Äbtissin Afra von Staudach (1562–1591) auf. Sie kam aus dem Kloster Göss und stellte nach einer Krise die klösterliche Gemeinschaft wieder her. An der Außenseite befindet sich weiters ein Gedenkstein für die Äbtissin Maria Antonia von Platz (1711/12–1743) sowie der Äbtissin Agnes von Lind, gestorben 1532. An der äußeren Südwand sind auch Epitaphe von Priestern, die während der Klosterzeit in St. Georgen wirkten, angebracht.
Literaturnachweis:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, S. 728 ff.
Stift St. Georgen am Längsee. Stiftsführer. DDr. Christian Stromberger, St. Georgen/Längsee 2010
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