Weitensfeld, Pfarrkirche hl. Johannes Ev.
Westlich außerhalb der geschlossenen Marktzeile erhebt sich die Pfarrkirche, die wie jene von Altenmarkt in der Türkenzeit von einer Wehranlage umgeben worden ist. Davon hat sich der originelle, für Kärntner Verhältnisse sogar einzigartige halbrunde Torturm aus der Zeit um 1500 mit einem Durchmesser von rund 8 m mit Schießscharten und Spuren einer Zugbrücke gegen den Markt nach Osten erhalten.
Die Kirche, die bis 1752 Filiale von Altenmarkt geblieben ist, geht im Kern auf das 13. Jh. zurück. Zur Zeit der Hochgotik entstand in der 1. H. d. 14. Jhs. der Chorraum, das wohl zu klein gewordene Langhaus der Spätromanik wurde vermutlich in der 1. H. d.16. Jhs. in nachgotischen Formen neu errichtet. Zwischen dem heute 4-jochigen Langhaus mit äußeren Strebepfeilern und dem 2-jochigen Chor mit 5/8-Schluss wurde im 14. Jh. ein mächtiger Nordturm eingefügt, dessen Schallöffnungen noch Maßwerke der Bauzeit aufweisen, während das Dach eine barocke Zwiebelhaube besitzt. An der Nordseite ist dem Turm eine zweigeschossige Wendeltreppe („Schnecke") angebaut.
Das Innere des Langhauses wird von einem mächtigen Stichkappengewölbe mit Netzgraten bestimmt, das auf Wandpfeilern mit vorgeblendeten Runddiensten aufsitzt. Die dreiachsige Westempore ruht auf rundbogigen Pfeilerarkaden mit Kreuzgewölben und Stuckrippen. Das ältere Kreuzrippengewölbe des Chores zeigt in den Schlusssteinen Reliefköpfe. An der Chorwand finden sich je eine gotische Sakraments-und Lavabonische (für die Aufbewahrung des Allerheiligsten bzw. das Reinigen der Vasa Sacra). Das Turmuntergeschoß links ist als kleine Kapelle mit polygonalem Schluss ausgestaltet. Im Süden ist dem Langhaus eine 1-jochige, ebenfalls polygonal schließende Johanneskapelle angebaut, die gegenüber der Außenflucht der Kirche leicht vorspringt.
Ab 1966 wurde in dieser Kapelle eine umfangreiche Freskenausstattung der Zeit des so genannten Weichen Stiles (nach 1406) freigelegt: Das Gewölbe zeigt die vier Evangelisten, die Westwand Reste einer Anbetung der Heiligen Drei Könige. An der Nordwand sind die Verkündigung, die Heimsuchung, darunter die fünf „heilige Madln" (Barbara, Katherina, Agnes, Dorothea, Margareta) sowie an der Nordostschräge weitere Heilige und an der Ostwand ein allerdings stark übermalter Marientod zu sehen, der von einer Marienkrönung überhöht wird. Während sich in der Südostschräge in den Fensterlaibungen weitere Heiligengestalten befinden, ist der Freskenzyklus an der Südseite stark fragmentiert. Zu erkennen ist noch eine Stifterfigur mit einer Gedenkinschrift von 1406 für Herzog Wilhelm von Habsburg.
Die Einrichtung der Kirche ist größtenteils barock: Der marmorierte und reich vergoldete Hochaltar aus dem zweiten Viertel des 18. Jhs. zeigt die Muttergottes mit Kind zwischen dem Kirchenpatron Johannes dem Evangelisten und seinem Namensvetter Johannes Nepomuk, im Aufsatz ein Bild der Dreifaltigkeit. Fast ein Jahrhundert älter sind die beiden frühbarocken Seitenaltäre im Ädikulatyp (architektonisches Grundgerüst in der Art einer Tempelfassade), von denen der linke (bezeichnet 1654) Knorpelwerkornamentik, ein Bild des Kirchenpatrons und eine Stifterinschrift am Sockel, der rechte wiederum das Bild des hl. Ulrich, im Aufsatz ein Wappen mit drei Eicheln und am Sockel den kleinadeligen Stifter kniend zeigt. Durchaus reich gestaltet ist die spätbarocke Kanzel von 1761 mit Statuen der vier Evangelisten sowie drei Reliefs aus dem Alten Testament (Mannalese, eherne Schlange und Bundeslade). Weitere Statuen des Apostels und Evangelisten Matthäus mit Engel aus dem 18. Jh. und ein jüngerer Sebastian befinden sich an den Wänden.
Südlich des Kirchenchores erhebt sich der 2-geschossige 8-eckige Karner mit seinem markantem Zeltdach, den mächtigen Strebepfeilern und dem polygonalen Chörlein. (Weihe 1451), der im 20. Jahrhundert in eine Aufbahrungshalle umgebaut wurde.
Literaturnachweis:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, S. 1061 f.
Kirchenöffnungszeiten:
Die Kirche ist versperrt. Der Schlüssel ist gegenüber im Pfarrhof (im Vorhaus an der inneren Tür läuten)/Tel.: 04265/348 oder beim Mesner Hrn. Pippan/Tel.: 04265/500 erhältlich.
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Weitensfeld, Pfarrkirche hl. Johannes Ev.
9344 Weitensfeld
+43 4265 348 http://www.kath-kirche-kaernten.at/weitensfeld E-Mail: pfarre.weitensfeld@aon.at
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