Altenmarkt, Pfarrkirche hl. Aemilian
Auf einer sonnigen Terrasse erhebt sich erhöht über der Nordseite des Gurktales die mächtige Pfarrkirche zu Ehren des äußerst selten verehrten heiligen Ämilian. Die wohl schon auf Hemma vom Gurk zurückgehende und vermutlich 1043 genannte Kirche hat im Jahre 1164 Bischof Roman I., der Erbauer des Gurker Domes, seinem Domkapitel geschenkt. Obwohl die
Marktsiedlung des Domkapitels bereits im folgenden Jahrhundert etwa zwei Kilometer südöstlich ins heutige Zentrum von Weitensfeld verlegt wurde, ist auch die Kirche des alten Marktes unter Weiterverwendung älterer Bauteile im 15. Jh. neu errichtet worden.
Zuerst begann man mit dem Bau des 1-jochigen Chores mit 5/8-Schluss und dreistufigen Strebepfeilern, danach erst mit dem 4-jochigen Langhaus. Der mächtige und hohe Turm an der Chorsüdseite entstand gleichzeitig, er besitzt im fünften Geschoß zwei- bzw. dreiteilige gotische Schallöffnungen, wurde aber 1873 mit einem neugotischen Helm versehen. Fast einzigartig sind die aus dem Ende der Bauzeit (um 1500) stammenden, im Jahre 1996 freigelegten Architekturmalereien an den Ecken der Kirche. Die malerische Wirkung des Baues wird durch die schlanken und steilen Proportionen von Langhaus und Turm erzielt, von denen ersteres ein Krüppelwalmdach und eine Reihe kleiner Maueröffnungen im Dachboden an der Westseite besitzt, die vielleicht Wehrzwecken dienten. Besonders sehenswert ist das monumentale Christopherusfresko an der Langhaussüdwand aus der Zeit um 1520/30.
Innen ist das hohe Langhaus in vier netzrippengewölbte Joche gegliedert. Das westlichste Joch nimmt die dreiachsige und kreuzrippenunterwölbte Empore ein. Ein spitzbogiger Triumphbogen führt in den ebenfalls netzrippengewölbten Chor, dessen Konsoldienste mit vier markanten Köpfen geschmückt sind (Evangelisten oder die vier Könige als Patrone der Steinmetzen?). Die Maßwerkfenster besitzen noch vier spätgotische Glasmalereien aus dem Ende der Bauzeit (M. 15. Jh.), welche die Verkündigung Mariä sowie die hll. Rupert und Ämilian zeigen.
Beeindruckend sind die Wandmalereien am Triumphbogen, vor allem die Schutzmantelmadonna an der linken Seite (aus der Zeit um 1450/60), die als Frühwerk des Thomas von Villach, der wohl bedeutendsten Künstlerpersönlichkeit Kärntens im 15. Jh. gilt. An der rechten Seite gegenüber zeigt ein etwas jüngeres Fresko (um 1490) die Madonna zwischen den Apostelfürsten Petrus und Paulus. Im Chorgewölbe sind Blattmalereien sowie die vier Evangelisten aus der Bauzeit der Kirche erhalten geblieben.
Auch die Einrichtung verdient Beachtung: zunächst der schwarz-goldene Hochaltar, der von Johann Seitlinger, der für den Gurker Dom wichtige Arbeiten geschaffen hat, angefertigt wurde (um 1650). In der Mitte steht in einer Nische die Gottesmutter. Eine spätgotische, zur Zeit des Altarbaues nachgeschnitzte Statue um 1450, die von Statuetten der Bischöfe Ämilian und Martin, außen von den hll. Georg und Florian und unterhalb von Johannes dem Täufer sowie dem hl. Josef flankiert wird. Im Aufsatz befindet sich ein Relief der Not Gottes (Gottvater mit dem toten Jesus), überhöht von einer spätgotischen Kreuzigung mit Maria und Johannes. Auf der Altarmensa südlich des Triumphbogens steht eine Predella (Sockel) als Rest eines Flügelaltares der Renaissance mit dem Schweißtuch der Veronika samt zwei Wappenschilden und darauf drei nicht zugehörige spätgotische Statuen: hl. Martin und der Kirchenpatron Ämilian in doppelter Ausfertigung. Auch ein überlebensgroßes Kruzifix um 1500 verdient Erwähnung.
Im Chor steht ein spätgotischer Taufstein, daneben ein Schalenstein mit sieben muldenartigen Vertiefungen für Öllichter. Beachtlich sind die phantasiereichen Wangen der- Betstühle aus dem Ende der Gotik in Kerbschnitttechnik (um 1520/30) sowie ein etwas jüngerer Chorstuhl (bezeichnet 1573). Der hölzerne Emporenvorbau mit Bildern der Apostel an der Brüstung stammt aus der Zeit der Gegenreformation (17. Jh.), die Kanzel aus der Mitte des 18. Jh. besitzt Bilder der Evangelisten in den Brüstungsfeldern.
Die Kirche ist von einem großzügig bemessenen Friedhof umgeben, dessen Ummauerung in der Türkenzeit (spätes 15. Jh.) wesentlich verstärkt wurde. Dabei ist auch der romanische Rundkarner des 12. oder 13. Jhs. in die Befestigung einbezogen und oberhalb des Gewölbes mit Schießscharten versehen worden.
Literaturnachweis:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, S. 7 f.
Kirchenöffnungszeiten:
Die Kirche ist versperrt. Der Schlüssel ist erhältlich im Haus westlich vom Gasthof Stromberger bei Fam. Hans Stromberger, vulgo Wagner/Tel.: 04265/480.
Koordinaten
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Pfarrkirche Altenmarkt
9345 Kleinglödnitz
+43 676 87728335 http://www.kath-kirche-kaernten.at/altenmarkt E-Mail: gloednitz@kath-pfarre-kaernten.at
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