Wir stehen hier am so genannten Goethebahnhof. Früher hatte die Brockenbahn hier einen fahrplanmäßigen Halt. Heute dient das Abstellgleis an der einspurigen Strecke nur noch dem notwendigen Ausweichmanöver der bergauf und bergab fahrenden Züge. Die Brockenbahn schaut auf eine über 100jährige Geschichte zurück. Spätestens 1870 wurde öffentlich darüber nachgedacht von Bad Harzburg aus eine solche Bahnstrecke anzulegen. Das Vorhaben wurde damals bereits kontrovers diskutiert und aus wirtschaftlichen, aber auch Naturschutzbedenken verworfen. Ende der 1880er Jahre griff der Brockenbesitzer Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode das Bahnprojekt auf, das nunmehr von Wernigerode aus zum Gipfel führen sollte. Begonnen wurde das Vorhaben schließlich im Jahre 1896. Der Bau der Brockenstrecke verlangte allen Beteiligten Enormes ab. Über 600 Arbeiter trieben das Bauwerk voran. Sie durchschnitten mit der Trasse wertvolle Moorgebiete, überwanden Wasserläufe und durchbrachen störende Granitformationen. Schon in der ersten Saison übertraf der Gästeansturm alle Erwartungen. Nach den großen Eingriffen beim Streckenbau bedrohte nun der sommerliche Massentourismus akut die ohnehin seit Jahrzehnten schon stark geschädigte Flora und Fauna des Gipfels. Besonders das Blumenpflücken der seltenen Brockenanemone nahm überhand. Der bekannte Heimatdichter Hermann Löns wandte sich 1907 schließlich mit einem vielbeachteten Aufsatz an die Öffentlichkeit. In scharfen Worten beklagte er, dass die Brockentouristen das allseits plakatierte Verbot des Abpflückens der Brockenpflanzen missachteten: "Obendrein gebe es regelrechte Brockenflegel, die speziell an Sonn- und Feiertagen den Berg und seine Zuwege so sehr mit Ihrem Müll versauten, ihre Bedürfnisse überall stillten und herrliche moosumspannte Felsblöcke mit Flaschen bombardierten". Die harsche Kritik des Dichters zeigte Wirkung. Im Jahre 1911 wurden über 70 Passanten angezeigt und mit Strafen belegt, die auf dem Brocken Pflanzen ausgerissen hatten.
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